zurück zur Startseite
(gewünschtes Thema anklicken)







nach oben zum Seitenanfang

Liebe Leserinnen und Leser,

"Nieder mit Gott!" - so hat jemand vor Jahren ausgerechnet vor Weihnachten an die Wand einer Kirche gesprüht. Ich weiß nicht, ob sich die Gottesdienstbesucher an den Festtagen darüber aufgeregt haben.
"Nieder mit Gott!" - Bestimmt wollte sich der Sprüher mit diesem provozierenden Aufruf gegen den Glauben an den Allmächtigen auflehnen, seine Enttäuschung über Gott und die ungerechte Welt hinausschreien. Wer weiß, was ihm widerfahren ist.

Aber ungewollt hat er damit die wichtigste Botschaft von Weihnachten ausgedrückt. Natürlich können wir dem Höchsten nicht befehlen: Nieder mit dir! Wir kleinen Menschen können den Herrscher des Universums nicht auf die Knie zwingen oder ihm Vorschriften machen. Aber Gott kommt freiwillig in unsre Niedrigkeit. Genau darum geht es Weihnachten: Der Höchste steigt in seinem Sohn in diese kaputte Welt hinunter. Er bleibt nicht in nebelhafter Ferne, sondern wird einer von uns.

Das ist nicht wie bei den antiken Göttern, wo Zeus oder sonst wer sich zwischendurch einen Spaß erlaubt. Für einen Tag nimmt er menschliche Gestalt an und mischt sich unter die Leute. Bei dieser Stippvisite spielt er dann dem einen oder anderen einen Streich und verschwindet am Ende wieder in seinen Himmel.

Nein, der wahre, ewige Gott wird in seinem Sohn Jesus Christus wirklich Mensch. Weihnachten verlässt er seinen sicheren Himmel und begibt sich in unsere Verhältnisse hinunter, in die Not und Ungerechtigkeit dieser Welt. Hier übernimmt er die Verantwortung für unsre Schuld, die ohne ihn leben wollten. Christus leidet und stirbt an unserer Stelle, rettet uns. Nun können wir wieder zu Gott finden, wenn wir wollen.

"Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil" (ELKG 34,4).

Ob der unbekannte Sprüher irgendwann den doppeldeutigen Sinn seiner bitteren, verzweifelten Worte erkannt hat? Ihnen jedenfalls wünsche ich, dass Sie Weihnachten wieder entdecken, wie tief sich Gott in seinem Sohn zu Ihnen hinunter beugt, und vor allem, dass Sie Jesus Christus auch als Ihren Heiland und Erlöser annehmen. Mit diesem Weihnachtswunsch grüßt Sie herzlich,

Ihr Pfarrer Holger Degen






nach oben zum Seitenanfang

Liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie das schwerste Wort im Deutschen? Das schwerste Wort heißt "Danke". Ich erinnere mich an die Zeit, als unsere Kinder klein waren. "Und was sagt man?", musste ich sie schon mal ermahnen, wenn ihnen jemand etwas geschenkt hatte. "Danke", flüsterten sie leise. Doch nicht nur Kinder vergessen, Danke zu sagen. Ich habe den Eindruck, bei uns Erwachsenen sieht das nicht viel anders aus.
Natürlich wissen wir, was sich gehört, wenn uns jemand einen Gefallen tut. Aber was unser Verhältnis zum Geber aller guten Gaben angeht, da nehmen wir es mit dem Dank oft nicht so genau. Der Allmächtige schenkt uns jeden Tag so viel Gutes, und wir nehmen das als selbstverständlich hin, vergessen ihm zu danken.
Da hat mich das Gebet eines Christen aus Indien beeindruckt: "Barmherziger Gott, ich klage nicht darüber, dass wir hier keinen Strom und keine Wasserleitung haben. Aber ich danke dir, Herr, für die Sonne und den Monsunregen. Ich klage nicht darüber, dass ich nicht in einem Bungalow wohne. Aber ich danke dir, Herr, für die Bambuspflanzen, aus denen ich mir meine Hütte baue. Ich klage nicht darüber, dass wir arm sind. Aber ich danke dir, Herr, dass du uns reich machst, andere zu lieben."
Ich bewundere diesen indischen Christen. Ihm geht es viel schlechter als uns. Aber er entdeckt die Pluspunkte in seinem Leben und verkleinert damit die Minuspunkte in seinem Alltag. Er täuscht sich nicht über seine Lage. Doch für das wenige, was er besitzt, dankt er Gott und wird zufriedener. Zu dieser positiven Lebenseinstellung hilft ihm das kleine Wörtchen "Danke".
Ich weiß nicht, wie es Ihnen zur Zeit geht. Vielleicht fällt es Ihnen im Moment nicht leicht, Danke zu sagen. Als Christ dürfen Sie wissen, dass Gott auch für Sie das Beste will. Er hat Ihnen auch in diesem Jahr wieder alles Lebensnotwendige geschenkt. Daran erinnert das Erntedankfest. Es hilft uns, dass wir eben nicht alles für selbstverständlich halten. Und hinzu kommt: Wer dankbar ist, lebt zufriedener. Ich wünsche Ihnen, dass Sie für die guten Gaben Gottes in Ihrem Leben nicht nur am Erntedankfest, sondern jeden Tag danken können. Die Bibel ermuntert dazu: "Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich" (Psalm 107,1).

Ihr Pfarrer Holger Degen






nach oben zum Seitenanfang

Liebe Leserinnen und Leser,

die Urlaubszeit steht vor der Tür, die schönste Zeit des Jahres, wie sie auch genannt wird. Denn Urlaub, das bedeutet: einmal ausspannen und abschalten, die Alltagssorgen vergessen, sich von der Arbeit erholen, Zeit für die Familie nehmen und nicht zuletzt zu sich selbst finden. Viele von Ihnen werden in den Sommermonaten verreisen, ans Meer, in die Berge oder an einen Strand unter südlicher Sonne.
Gott selbst schenkt Ihnen diese Zeit und die Gelegenheit, Ihre Lebenseinstellung zu überdenken. Mich hat eine Urlaubserzählung von Heinrich Böll unter dem Titel "Der Tourist und der Fischer" beeindruckt. Da liegt in einem Mittelmeerhafen in der Mittagssonne ein ärmlich gekleideter Fischer in seinem Boot und döst vor sich hin.
Ein Tourist fragt ihn: "Warum fahren Sie denn nicht aus?" "Ich bin heute schon ausgefahren", entgegnet der Fischer, "und habe für morgen und übermorgen genug." Der Fremde erwidert: "Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden nicht nur heute, sondern jeden Tag zwei- oder sogar viermal ausfahren. Spätestens in einem Jahr würden Sie ein Motorboot kaufen können, übernächstes Jahr ein zweites und in drei Jahren vielleicht einen Kutter." Der Urlauber fährt fort: Später könne er ein Kühlhaus bauen, möglicherweise eine Räucherei und am Schluss sogar eine komplette Fischfabrik.
"Und was dann?", fragt der Fischer leise. "Dann", antwortet der Tourist, "dann können Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen, auf das herrliche Meer schauen und das Leben genießen." - "Aber das tue ich ja jetzt schon", entgegnet der Fischer erstaunt.
Mich macht die heitere Gelassenheit dieses Mannes nachdenklich. Ob er etwas davon begriffen hat, was Jesus sagt:

"Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert und zugrunde geht?" (Lukas 9,25)

Natürlich, Sie können nicht das ganze Jahr Urlaub machen. Aber das können Sie in den Ferien und im Urlaub neu lernen: Arbeit, Leistung und Karriere sind nicht alles im Leben. Wahres, sinnvolles und ewiges Leben finden Sie bei Jesus Christus.
Dass Sie mit ihm im Urlaub wie im Alltag leben, sowie erholsame und gesegnete Urlaubstage wünscht Ihnen,

Ihr Pfarrer Holger Degen






nach oben zum Seitenanfang

Liebe Leserinnen und Leser,

es soll in den Vereinigten Staaten tatsächlich passiert sein: In der Lokalzeitung erschien eine Annonce der örtlichen Bank mit dem Inhalt:
"Wenn Sie heute Nachmittag zwischen drei und halb vier Uhr diese Anzeige an unserem Kassenschalter vorzeigen, erlassen wir Ihnen alle Kreditschulden."
Sie können sich denken, dass keiner das Inserat für bare Münze nahm. Jeder dachte an einen verfrühten Aprilscherz oder einen merkwürdigen Werbegag. Im Gasthof lachten sie schallend, als jemand die Anzeige vorlas. Aber als einer der Stammgäste eher nach Hause ging, sah er plötzlich einen Mann wie wild auf der Straße tanzen.
"Denken Sie sich nur", rief der ihm begeistert zu, "die Bank hat meinen ganzen Baukredit gestrichen! Ich habe keine Schulden mehr! Hatte meine Frau also doch recht, als sie meinte, ich solle einfach mal hingehen und ausprobieren, ob das mit dem Inserat auch kein Witz ist!"
Da erst bemerkte der andere, wo sie standen: Genau vor der Bank, die in der Lokalzeitung annonciert hatte. Schnell schaute er auf die Uhr: schon Viertel vor Vier! Nun war es für ihn zu spät. "So ein Pech", dachte er, "jetzt muss ich meine Schulden weiter abbezahlen."
Eine unglaubliche Geschichte, vermuten Sie? Zu schön, um wahr zu sein! Wo gibt's denn so was, dass eine Bank irgendjemandem einfach so seine Schulden erlässt?
Doch genauso handelt Gott! Ihre und meine Schuld vor ihm können wir nie im Leben selbst zurückzahlen. Dazu ist sie viel zu hoch. Darum hat ein anderer für uns bezahlt: Jesus Christus. Er nimmt unsere Versäumnisse und Rückstände auf sein Konto. Weil sein Sohn für uns am Kreuz verblutet, streicht der Höchste unsere Schulden.
Der Apostel Paulus bezeugt es schwarz auf weiß - zuverlässiger als die beste Zeitung:

"Christus hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet." (Kolosser 2,14)

Schade, wenn jemand da nicht zugreift! Deswegen wünsche ich Ihnen, dass Sie diese gute Nachricht in der Passionszeit wieder neu für sich entdecken und annehmen können,

Ihr Pfarrer Holger Degen






nach oben zum Seitenanfang

Liebe Leserinnen und Leser,

Kerzen bringen uns in Stimmung. Ihr flackerndes, mildes Licht tut uns wohler als das gleißende, schwankungsfreie, technische Licht, das aus der Steckdose kommt. Docht und Wachs der Kerzen geben lebendiges Licht. Kein Wunder, dass gerade in der Advents- und Weihnachtszeit Kerzenlicht hoch im Kurs steht.
Kerzen gehören einfach zum Fest. Sie schmücken den Tisch und deuten auf den besonderen Anlass hin. Und hintergründig versinnbildlichen sie beides: das Sich Verzehren und die Vergänglichkeit. Kerzenlicht erzählt mehr als Worte, was der Höchste uns mit seinem Sohn beschert: Jesus gibt sich für uns hin, schenkt uns Wärme und Licht.
Deswegen gehören Kerzen in die Kirche und erst recht zu Advent und Weihnachten! In diesen Wochen erfreuen wir uns als Christen besonders an Kerzen und ihrem Licht. Damit spielen wir - bewusst oder unbewusst - nach, was Gott schon im Alten Testament versprochen hat. Weihnachten erfüllt es sich (1. Johannes 2,8b):

"Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt."

Nicht von ungefähr brennt am Adventskranz zunächst nur eine einzige Kerze. Nur eine! Das weckt unsere Sehnsucht und lehrt uns warten. So schnell weicht die Finsternis nicht. Doch Woche für Woche kommt eine Kerze hinzu. Wie hell vier Kerzen brennen! Und endlich an Heiligabend strahlt der Christbaum in vollem Lichterglanz.
Dann feiern wir die Geburt des Gottessohnes und Erlösers Jesus Christus, der sich selbst als Licht der Welt bezeichnet. Geboren in der Mitte der Nacht nimmt er der schwärzesten Finsternis unseres Lebens ihren Schrecken. Nun müssen wir nicht länger im Todesschatten und in der Finsternis sitzen. Denn er nimmt unsere Gottesferne und Not auf sich.
Gewiss, solange wir in dieser Welt leben, wird es wieder Nacht. Erneut wird die Finsternis uns Angst einjagen. Aber seit Weihnachten dürfen wir darauf vertrauen, dass Jesus uns begleitet und zum Ziel führt. Er leuchtet uns auf unserem Weg. Eine einzige Kerze drückt das glaubwürdiger aus als alle hochmodernen Flutlichtanlagen. Vielleicht mögen wir deshalb Kerzen so gern.
Dass Sie sich über viele Kerzen und Lichter an Weihnachten freuen können, die auf das Licht der Welt, Jesus Christus, hinweisen,

wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Holger Degen






nach oben zum Seitenanfang

Liebe Schwestern und Brüder,

die kupferbeschlagene Kirchentür der Immanuelsgemeinde Stuttgart predigt die christliche Botschaft in die Welt hinein.
Der linke Türflügel wird beherrscht vom Bild eines Mannes: Das ist der Mensch, "Adam", die Krone der Schöpfung, Abbild des ganzen Menschengeschlechts. Aber was ist der Mensch? Seine Hände sind leer … und doch haben sie eine schreckliche Arbeit zu tun: Der Mensch kämpft, er muss sich wehren; er muss alle Kräfte aufbieten, um sich aus fürchterlicher Gefahr und Gewalt zu retten … wenn es möglich ist.
Er schreitet nicht stolz und sicher auf seinem Lebensweg dahin; es liegen auch nicht nur ein paar Steine da, über die er steigen muss; es ziehen auch nicht nur ein paar dunkle Wolken darüber hinweg, - wenn die Kirchentür recht hat, ist der Mensch auf seinem Weg gepackt von einem erbarmungslosen Feind: von ekligem Gewürm aus der Tiefe, das ihn überfallen hat und das ihn zusammenpresst, um ihm den Atem zu nehmen.
Ist das der Mensch? - Die Bibel redet allerdings von dem "Tier", auf den ersten Seiten schon, wo es mit Schlangenlist den Menschen anfängt zu schmeicheln (1. Mose 3) … und noch auf den letzten Seiten, wo es lauert als großer roter Drache mit sieben Häuptern und zehn Hörnern in reißender Gier, ihn zu verschlingen … (Offenbarung 12).
Der Mensch kann sich nicht retten. Er fängt an zu verzweifeln. Er stemmt nur noch den einen Arm gegen die Schlange. Der andere ist nach oben ausgestreckt, ob dort oben nicht Hilfe sein möchte.
Aber solange nur der linke Türflügel aufgeschlagen ist, wartet da oben keine Hilfe, ist da nichts über ihm. Die Schlange scheint den da oben vertrieben zu haben. Ohnmächtig und verlassen bleibt der Mensch in seiner tödlichen Einsamkeit. Er klagt mit Hiob: "Siehe, ob ich schon schreie … so werde ich doch nicht erhört" (Hiob 19).
Der Mensch weiß auch nichts davon, dass es noch den anderen Türflügel gibt. - Und wenn er's wüsste? - Allein der rechte Türflügel macht einen auch Angst und Bange. Das Bild darauf schreit den Menschen an: "Du Narr! Der Himmel ist nicht leer!" Da oben ist Einer und der fährt herab, in seiner Hand eine Waffe, eine stählerne Lanze, mit Macht geführt und wuchtig herabgestoßen … wohin? Der Türflügel verrät es nicht, aber wer kann da noch fragen? Strecken sich von dort, wohin die Lanze treffen muss, nicht zuckende Finger einer Menschenhand aus, wie in verzweifelter Angst und entsetzter Abwehr? Fährt da nicht herab der "Richter der Lebendigen und Toten" im Zorn und Eifer des Jüngsten Tages, um den "Adam", den Menschen, ins Herz zu treffen?

Ist das nun die Predigt dieser Kirchentür, die schreckliche doppelte Predigt der zwei Türflügel?
Nein! Gott sei gelobt! Nein! Nicht zwei Türflügel, sondern eine einzigganze Tür predigt, ruft die selige Botschaft mit Jubel hinein in die Welt!
Erst wenn sich der eine Flügel an den anderen fügt, dann wird's offenbar: Die Schlange schießt keinen Giftstrahl gen Himmel, sie hat Gott nicht entthront. Und Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, dass er sie richte, sondern dass die Welt durch ihn selig werde! (Joh 3). Seine tödliche Waffe - die geschlossene Tür zeigt es - ist nicht gerichtet auf den Menschen, sondern hat ihr Ziel getroffen: Satan, den großen Feind.

Welche Freudenbotschaft! Welches herrliche Evangelium! - Gott hat aus seiner Höhe nicht zugeschaut, wie der Mensch erwürgt wurde - hat ihm nicht von oben Mut zugesprochen - hat ihm nicht Waffen gegeben und ihn angefeuert, damit er versuche zu bestehen in seinem aussichtslosen Kampf … Nein: Gott sandte seinen Sohn, "dass er die Werke des Teufels zerstöre". (1. Joh 5) Diesen Sieg hat er am Kreuz von Golgatha errungen. Seit Ostern singen wir: O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns nun der Teufel tun, wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat nach diesem Krieg durch Jesus Christ gegeben!

Es grüßt euch herzlich, euer Pfarrvikar Christian Rehr






nach oben zum Seitenanfang

Liebe Schwestern und Brüder,

nach langer Zeit der Planung und Überlegung hat die Balhorner Gemeinde ein Kirchfenster über der Kirchtür. 46 Jahre wurde über dieses Fenster diskutiert. Schon damals 1964 lagen erste Entwürfe vor, aber es fehlte an Geld und so wurde eine einfache Glasscheibe als Provisorium eingesetzt. Seitdem sind zahlreiche Spenden eingegangen, so dass jetzt am Sonntag Kantate unser neues Fenster in einem feierlichen Dankgottesdienst "eingeweiht" werden konnte.

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen (Kol 3,16).
Das Fenster, das der Künstler Jörg Welz entworfen hat, erinnert uns genau daran, was nötig ist, worauf es ankommt: es erinnert uns an den Gottesdienst unter Christi Wort. In der Mitte des Fensters ist das Buch der Bücher, die Heilige Schrift, zu sehen. Darum versammelt die Gemeinde. Über der Gemeinde die segnenden Hände Gottes. Alles hängt miteinander zusammen: Der rettende und segnende Gott versammelt seine Gemeinde um sein Wort. Er verbindet Himmel und Erde durch das Wort vom Kreuz.
Wo Gottes Wort laut wird, wo aus der Bibel vorgelesen wird und dieses Wort in der Predigt ausgelegt wird, da spricht Gott im Wort menschlicher Boten selbst. Und wo Gott zu uns durch sein Wort spricht, da geschieht etwas: da wirkt und weckt es Glauben.
Gott schenkt Gemeinschaft untereinander. Auf dem Fenster sind ganz unterschiedliche Menschen zu sehen: Kleine und Große, Alte und Junge, ganz verschieden gekleidet, vielleicht auch ganz unterschiedlicher Herkunft. Und trotzdem bilden sie eine Gemeinschaft, eine Gemeinschaft, die wir uns nicht selber machen. Sein Wort macht es, dass wir freundlich, demütig, sanftmütig und geduldig miteinander umgehen - wie es Paulus im Kolosserbrief (Kol 3,12-15) sagt; dass wir uns einander ertragen und uns untereinander vergeben; mit einem Wort: dass Liebe unter uns herrscht. Darum lasst uns immer wieder uns unter sein Wort stellen. Lassen wir uns von ihm die Sünden vergeben, damit auch wir untereinander uns vergeben können und so in enger Gemeinschaft stehen.

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.
Können wir das von unserer Gemeinde sagen, dass das Wort Christi reichlich unter uns, in unserer Mitte, wohnt, wie es das Fenster nach außen hin ausdrückt? Ja, wir feiern sonntäglich Gottesdienst, wir hören Gottes Wort und die Predigt. Und wir haben auch das sichtbare und spürbare Wort Gottes unter uns, nämlich die Taufe, die Beichte und das heilige Abendmahl.
Wenn man das Fenster von außen betrachtet, darf man das ernst nehmen: Hier wohnt Gottes Wort unter uns. Hier haben wir Gemeinschaft. Hier steht die Tür zum Himmel offen. Ja, hier kommt der Himmel auf die Erde. Darum fröhlich hereinspaziert in unsere Kirche!

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.
Das gilt nicht nur hier in der Kirche, sondern das gilt auch für draußen. Wenn ihr nach dem Gottesdienst aus der Kirchentür herausgeht, dann strahlt euch das Fenster in den schönsten Farben herrlich an. Dann erinnert es euch daran, dass der Gottesdienst auch im Alltag weiter geht. Das Wort Gottes will unter euch wohnen, in euren Häusern, in den Familien, auf der Arbeit, in den verschiedenen Gemeindekreisen. Nicht so, dass die Bibel verstaubt im Bücherschrank steht. Nein, sie ist aufgeschlagen - wie im Kirchenfenster - sie will gelesen, gehört und gelebt werden.
Auf dem Kirchenfenster ist die Bibel mit einer Perle verziert. Das zeigt uns: Gottes Wort ist unser Schatz. Es schenkt uns Freude und Trost. Es ist das Mittel, durch das uns Gott seinen Segen schenkt: nämlich die ewige Seligkeit.

Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund,
dein Wort ist, das mein Herz erfreut, dein Wort gibt Trost und Seligkeit.

(ELKG 144,2)

Herzlich grüßt euch, euer Pfarrvikar Christian Rehr






nach oben zum Seitenanfang

Liebe Schwestern und Brüder,

ein Hirte ist den ganzen Tag draußen. Er ist ständig auf der Suche nach guten Weideplätzen für seine Schafe. Wenn es Abend wird, führt er seine Herde wie-der heim in den Schafstall. Dort sind die Schafe geborgen und sicher vor aller Gefahr und können die Nacht in Ruhe verbringen.
Wenn die Schafe aber keinen Einlass in den Stall finden, wenn sie die Tür nicht finden, dann droht ihnen der Tod durch den "Wolf"; dann droht ihnen Raub durch Diebe, dann irren sie umher und werden zerstreut. Schutzlos sind sie der Dunkelheit ausgeliefert.
Jesus Christus sagt: "Ich bin die Tür". Er stellt sich als die Tür vor, durch die die Schafe eintreten müssen, um Schutz zu haben vor den wilden Tieren, vor den "Dieben und Räubern". Wer durch ihn in den geschützten Schafstall hineingeht, der wird gerettet.

Was würden wir von einem Erwachsenen denken, der allen Ernstes zu uns sagt: Ich bin - das Fenster, das Licht oder eben: Ich bin die Tür - Wir wären auf jeden Fall sehr verwundert.
Es sei denn, wir sind selber in einer schrecklichen Situation, sind selber bei einem Unglück, etwa bei einem Brand, in einem Raum eingeschlossen und finden vor lauter Rauch die Tür nicht. Die Tür würde uns vor dem Verderben bewahren. Sie wäre unsere letzte Hoffnung. Ja, sie wäre unsere Rettung. Sie wäre der Übergang aus der tödlichen Gefahr hinein zum Leben.

Jesus Christus spricht: Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh 10,9).

In Jesus Christus haben wir den Zugang zum Vater. Durch sein Leiden und Ster-ben am Karfreitag und durch seine siegreiche Auferstehung an Ostern hat er die Tür zum Himmel aufgeschlossen. Jesus Christus, das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende, ist die Tür zum Himmel. Er rettet uns aus der Sünde und aus dem Gericht Gottes und schenkt uns ewiges Heil.

Das Titelbild zeigt die Tür der Zionskirche in Verden. Über der Kirche sind die Anfangsbuchstaben (X= Ch; P=R) für Christus erkennbar, der das A und O ist. Darunter steht: Ich bin die Tür. Was man nicht sieht: die Zionskirche ist einem Schafstall nachempfunden.
Das Bild macht deutlich: Hier in der Kirche bekommen wir den Zugang zu Gott. Im Gottesdienst kommt Christus selbst zu uns. Wir dürfen ihn so begegnen, wie die Schafe, die abends wieder in den Stall laufen - als Menschen, die vom Alltag entkräftet und erschöpft sind, die einfach nur noch kaputt und fertig sind. Im Gottesdienst hören wir die Stimme des guten Hirten, Jesus Christus, der freund-lich und liebevoll mit uns spricht. Er sagt zu dir: "Komm, ich will dir deine gan-zen Lasten, deine Sorgen und deine Schuld abnehmen. Ich trage das für dich. Ich mache dich wieder fit. Ich baue dich wieder auf. Komm, hier bei mir findest du Ruhe und Trost, wahre Freude und ewiges Leben." Ja, im Gottesdienst wird dir schon jetzt der Himmel aufgeschlossen von dem, der von sich sagt: Ich bin die Tür.

Herzlich grüßt euch, euer Pfarrvikar Christian Rehr






nach oben zum Seitenanfang

Liebe Leserinnen und Leser,

der neue Brückenbogen hat ein neues Thema auf der Titelseite. Wir werden in den kommenden Ausgaben Titelbilder abdrucken, auf denen Kirchentüren zu sehen sind.
Türen, insbesondere Kirchentüren, können sehr unterschiedlich aussehen. Und sie können sehr unterschiedliche Funktionen haben. Sie laden ein, sie wecken eine Erwartung, sie bergen eine Verheißung in sich, sie sind der Eingang in eine Gemeinschaft, in eine Geborgenheit. Sie stellen einen Übergang dar von der ei-nen in die andere Welt. Gleichermaßen können sie aber auch ausgrenzen, eine Hemmschwelle sein.
Auf dem Titelbild ist die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg zu sehen. Natür-lich ist es nicht mehr das Original, an das Martin Luther seine 95 Thesen schlug. Diese Tür verbrannte im Jahre 1760 während des Siebenjährigen Krieges. An ih-re Stelle ließ König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen eine Bronzetür mit den lateinischen 95 Thesen setzen. Die Tür ist Symbol für eine entscheidende Wen-de in der Kirchengeschichte, Luthers Thesen zogen gravierende Veränderungen, nicht nur für die Kirche, nach sich.
Nicht ganz so dramatisch sind die Veränderungen in unserem Leben, wenn wir heute durch eine Kirchentür treten. Und doch hat sich oft etwas in unserem Denken, Fühlen, Wollen geändert, wenn wir nach einem Gottesdienst durch die Kirchentür gehen. Was uns noch vor dem Gottesdienst belastet hat, drückt nun nicht mehr so schwer. Für unsere Schuld haben wir Vergebung erfahren und ge-gen unsere Ängste haben wir Gottes Zuspruch gehört. Wir können befreit und mit neuem Mut in unseren Alltag gehen.
Eine besondere Erfahrung kann es gerade in der Adventszeit sein, der vorweih-nachtlichen Hektik in den Innenstädten und der aufdringlichen Geräuschkulisse des Weihnachtsmarktes zu entfliehen, indem man durch die Kirchentür in eine Stille tritt, die uns den eigentlichen Inhalt der Adventszeit verdeutlicht: In Ruhe und Besinnung sich auf die Ankunft Jesu einzustellen, sich selbst für das größte und eigentliche Weihnachtsgeschenk zu öffnen.

Vera Löber






nach oben zum Seitenanfang





die kommenden Monate haben schon ihren eigenen Reiz. Mai - Juni - Juli - Frühling und der frühe Sommer, der wieder Licht und Wärme bringt. So langsam kommen viele Lebensgeister zurück. Die Natur zeigt es uns: Die Schöpfung lebt und bringt neues Leben hervor.
Auf dem Titelbild können Sie die erwachende Natur sehen. Auch wenn das Bild keine Farben zeigt, kann man doch erahnen und sich vorstellen, wie die Wiese in kräftigen Farben blüht. Der Baum bekommt neue grüne Blätter. Der blaue Himmel zeigt keine Wolke. Er ist weit und es ist hell. Man sieht, wie die Sonne den Schatten des Baumes wirft. Und dann fällt mir auch noch auf, wie gut der Baum aussieht. Da ist alles dran - alles ist in Ordnung - ja - eigentlich perfekt. Vielleicht ist der Stamm etwas dünn - aber sonst: einfach Klasse!
Das hat Gott schon gut eingerichtet, dass wir immer wieder durch die Natur erinnert werden an neues Leben, neues Glück und neue Hoffnung. Der Frühling hat eine gute Botschaft - und er macht anschaulich, was wir über diese Zeit hinaus erwarten: Ein neues Leben in der Ewigkeit, das seit der Auferstehung Jesu schon einen Lichtstrahl in unsere Welt wirft. Nicht schlecht - oder?
Und wer steckt hinter all dem Schönen des Frühlings und des neuen Lebens? Wenn ich so frage, ist die Antwort klar: Es ist Gott selbst, der es wachsen und gedeihen lässt, ja der Christus auferweckt hat am dritten Tage.
Ich denke dabei auch an ein besonderes Wort des Apostel Paulus, das gut dazu passt:
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2.Kor. 5,17).
"Kreatur" ist ein altes Wort. Es bedeutet: Geschöpf Gottes zu sein. Dann könnte man auch sagen: Wer zu Christus gehört, ist ein neuer Mensch geworden. Was er früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen.
Und wieder ist es Gott selbst, der die Kraft hat, aus uns neue Menschen zu schaffen. Begonnen hat er damit schon bei unserer Taufe. Da ist der Ursprung des neuen Lebens.
Noch etwas fällt mir auf dem Titelbild auf. Es ist der Weg. Ein weißer Sandweg. Am unteren Bildrand füllt er fast das ganze Bild aus. Aber er verläuft sich dann und wird am Horizont kleiner. Für mich ist dieser Weg noch einen Gedanken wert: Das neue Leben in der Verbundenheit mit Christus ist wie ein Weg. Dieser Weg ist nicht immer schnurgerade und nicht immer eben. Es geht rauf und runter, es geht auch mal dorthin, wo ich noch nicht über die Kuppe sehen kann. Aber es ist ein heller Weg - ein Weg der Gnade und des Segens.

Insofern möchte ich allen Leserinnen und Lesern, allen Gemeindegliedern und Freunden der Gemeinden Balhorn und Altenstädt meine Segenswünsche mit auf die neuen Wege geben, die ihr und Sie nun mit anderen Menschen teilen und gehen werdet, als mit mir und unserer Familie:

Möge Gott euch segnen mit seiner Gnade, die nicht zu verdienen ist, aber geschenkt wird.
Möge Gott euch neues Leben zusagen, damit ihr Trost findet in schweren Tagen.
Möge Gott euch Freude geben an all dem Wunderbaren, was er euch gönnt: Liebe und Glück, Essen und Trinken, Frühling und Herbst, Freunde und gute Gemeinschaft, Gottesdienst und Choräle ….
Möge Gott euch segnen und euch wachsen lassen im Vertrauen auf ihn und der Liebe zu allen Menschen.

Euer






nach oben zum Seitenanfang





Bäume laden zum Klettern ein. Dieser Gedanke drängt sich mir auf, wenn ich dieses Bild sehe. Ein Junge schaut in die Kamera. Er freut sich deutlich, dass er diesen Baum erklettern darf. Wenn man genau hinsieht, ist zu erkennen, dass er angeseilt ist. Abgesichert klettert es sich noch mal so gut. Dann ist man nicht ganz so ängstlich. Und dann steht bestimmt auch einer unten und passt etwas auf.
Und dann zeigt seine Hand eine Geste. Zeige- und Mittelfinger zeigen ein V. Er zeigt dem Fotografen das Victory-Zeichen. V = Victory (Sieg). Bekannt wurde das Victory-Zeichen während des Zweiten Weltkrieges durch den britischen Premierminister Winston Churchill. Ich könnte mir denken, der Junge möchte mit dieser Geste sagen: "Ich werde es schaffen. Ich erklettere den Baum - ganz sicher"!
Mich beeindrucken besonders das Gesicht und die Augen des Jungen. Das Gesicht zeigt keine Angst, sondern einfach die Freude daran, sich auszuprobieren und die Welt zu entdecken.
Und der Baum? Der Baum steht da - unbeweglich und fest. Und er lässt den Jungen gewähren. Was würden Sie sagen, liebe Leserinnen und Leser, wenn Ihr Kind Sie fragen würde: Haben Bäume auch Angst wie wir Menschen?
Ich denke, Sie würden eher "Nein" sagen. Aber ist damit alles erledigt? Vielleicht wäre es gut, wenn die Bäume und Pflanzen, die Tiere und die Erde etwas mehr Angst vor uns Menschen hätten. Angst deshalb, weil wir Menschen die Erde so schlecht behandeln.
Aber das Bild drückt keine Angst, sondern Freude aus - und für mich drückt es auch aus, dass da ein Kind dem Baum nicht schadet. Vielleicht müssen wir Christen noch radikaler für unsere Erde eintreten, damit sie nicht so gedankenlos zerstört wird. Und damit anfangen kann - denke ich - heute jeder. Ein erster Schritt wird es immer sein, sich gut zu informieren und dann überlegt die Schritte zu tun, die mich nicht völlig überfordern. Ein erster Schritt könnte sein, die Natur als ein kostbares und wunderbares Geschenk anzusehen.
Ein Baum ist ein Wunder der Natur - oder besser Gottes! Ein Sonnenuntergang am Meer, ein Spaziergang nach Sand durch den Wald, der so wunderbar riecht… ein Glücksfall für Körper und Seele. Gott ist ein kreativer Schöpfer gewesen - er hat nicht gespart, um uns Freude zu machen. Und er lässt nicht locker, sondern ist immer noch dabei, uns Gutes zu tun.

Ihr






nach oben zum Seitenanfang





der neue Brückenbogen hat ein neues Thema. Wir werden in den kommenden Ausgaben Titelbilder abdrucken, auf denen Bäume zu sehen sind. Der Histori-ker Alexander Demandt schrieb: "Kein anderes Geschöpf ist mit dem Geschick der Menschheit so vielfältig, so eng verknüpft wie der Baum." In vielen Kulturen haben die Bäume eine besondere Bedeutung. So wurden die Zedern im Libanon als heilige Bäume verehrt. Bäume haben bis heute symbolischen Charakter, wie z.B. der Ölbaum, der auf den Frieden hinweist.

Und wenn wir die Bibel aufschlagen und die ersten Seiten lesen, dann kom-men ebenfalls Bäume in den Blick. Die Erde wird von Gott wunderbar geschaf-fen. Im Paradies stehen der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und alle Bäume des Paradieses sind "verlockend anzusehen". In einer alten Veröffentlichung über die christliche Symbolik findet man folgen-de Sätze: "Von jeher ist der Baum das Bild des Lebens. Leben bedeutet für den Hebräer im Gesetz wurzeln (Ps.1,2f). Gesetz ist das Wort Gottes, sein Befehl." (Kl. Lipffert, Symbolfibel, S. 52) Ein dürrer Baum soll auf das Sterben und den Tod hinweisen, ein gesunder Baum auf einen Menschen, der auf Gott hört und mit ihm lebt. Der Sonntag Palmarum hat seinen Namen von dem Palmbaum. Auch dieser Baum wurde im Altertum als heilig verehrt. In Israel war er ein Symbol der Freiheit und des Sieges.

Auf unserem ersten Brückenbogen zum Thema "Baum" sehen Sie ein Winter-bild aus den Alpen. Eine 80 cm hohe Schneeschicht hat die Erde in eine riesige weiße Landschaft eingehüllt. Schnee, Schnee und nochmals Schnee. Dazu die Wolkendecke am Himmel. Ein Bild, das wohl immer seltener werden wird. Aber mitten im Schnee ist ein kleiner "Baum" zu sehen. Etwas schief gewickelt steht er da - fast auf verlorenem Posten. Alles um ihn herum ist nicht mehr zu sehen. Die kleine "Baumkrone" ist grün. Irgendwie hat er sich behauptet - gegen den Schnee und vielleicht auch gegen so manchen winterlichen Sturm. Jetzt steht er da - für mich ist dieses Bild ein "stilles" Bild. Es geschieht nichts auf dem Bild. Das kleine Bäumchen ist einfach da und steht im Schnee. Der Blick wird nicht abgelenkt, weil noch anderes zu sehen ist. Und noch etwas fällt mir auf: Die kleine Baumkrone windet sich etwas in Richtung Himmel und Horizont. Der kleine Baum lässt "seinen Kopf nicht hängen".

Und damit bin ich schon bei dem, was dieses Bild für mich symbolisiert. Es zeigt ausdrucksvoll, was wir Christen glauben und feiern. Die Geburt Jesu, Weihnach-ten, feiern wir im Winter. Die Bäume haben ihre Blätter verloren - es ist kein Leben zu sehen. Es ist Winterzeit - die Geschichte der Menschheit ist eine Ge-schichte, in der Leben bedroht ist und Leben zerstört wird, weil wir Menschen uns nicht befreien können von der Macht der Sünde. Und doch und gerade mit-ten im Winter steht da doch noch etwas. Der kleine Baum erinnert daran, dass Christus geboren wird. Gott überlässt uns nicht dem Schicksal der Kälte. Gott findet einen neuen Weg, um uns nahe zu sein - er wird Mensch, er leidet und stirbt für uns. Gott bringt neues Leben: Der Tochter des Jairus zum Beispiel oder dem Knecht des Hauptmanns von Kapernaum oder dem Gelähmten, den er heilt und die Sünden vergibt.... Aber auch Jesus Christus ist kein riesiger Baum, dem niemand etwas anhaben kann. Weihnachten ist ohne eine Futterkrippe aus Holz nicht zu denken und Karfreitag nicht ohne das Kreuz. Seit dem das alles gesche-hen ist, sind mehr als 2000 Jahre vergangen. Und doch lebt die Kirche von dieser Botschaft. Sie kann es nicht lassen, immer wieder darauf zurück zu kommen. Wisst ihr noch, wie es geschehen.... ! Diese Botschaft ist wie ein kleines Bäum-chen mit grüner Krone - dem Himmel zugewandt.

Ihr






nach oben zum Seitenanfang





ein letztes Mal sind in diesem Jahr auf dem Titelbild des Brückenbogens Hände zu sehen. Diese Hände sind weltbekannt. Unzählige Male sind sie fotografiert worden, es gibt sie in allen Größen, als Postkarte oder Poster. Man findet kaum ein Einrichtungsgeschäft, in dem das Motiv bei den Postern fehlen würde.

Diese Hände sind ein Ausschnitt aus den Deckenmalereien des Michelangelo, die er in der Sixtinischen Kapelle zwischen 1508 und 1512 hergestellt hat. Unser Titelbild zeigt einen Ausschnitt aus dem Werk "Die Erschaffung Adams". Es zeigt, wie Gott mit ausgestrecktem Finger Adam zum Leben erweckt. Vermutlich ist es sein berühmtestes Gemälde.

Gottes Hand ist auf dem Gemälde rechts zu sehen. Gott erschafft den Menschen am sechsten Tag der Schöpfung. Am letzten Tag - am Tag vor der Ruhe Gottes - erschafft Gott sein Ebenbild. Der Mensch ist Gott sehr nahe. Die Hände zeigen es: Adams Hand auf der linken Seite wird von Gottes Hand fast berührt. Es kann nur noch einige Sekunden dauern, dann berührt Gott den Menschen und schenkt ihm Leben. Die Hände zeigen es: Gott ist aktiv, von ihm geht Schöpferkraft aus. Er ist aktiv, sein Wille erschuf Welt und Kosmos, Tiere und zuletzt den Menschen, Mann und Frau. Man sieht es der Hand Gottes an, dass er sich was vorgenommen hat. Man sieht es ihr an, dass Gott weiß, was er will. Er will seine Schöpfung nicht ohne den Menschen - er will ein Gegenüber. Er will ein Wesen, das in besonderer Weise an Gott und sein Werk erinnert. Gott Vater und Adam - nur durch einige Millimeter voneinander getrennt.

Und Adam? Adams Hand ruht eher. Sie ist (noch) nicht voller Kraft. Noch ist Adam passiv, angewiesen auf Gott. Adams und Gottes Hand zeigen deutlich den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf, zwischen Töpfer und Tonvase. Aber das ändert sich schon bald. Es dauert nur eine kurze Zeit bis Adam sein Leben selbst in die Hand nimmt. Der Mensch entfernt sich von Gott, misstraut seinem Gebot und verliert das Paradies. So geht die Geschichte weiter. Adam zieht schon bald seine Hand weg und verliert so seinen Halt. Und damit verliert er noch viel mehr - er verliert seine Sicherheit und seine Sorglosigkeit. Die Welt, die Schöpfung, ja selbst seine menschlichen Brüder und Schwestern werden ihm fremd und machen ihm Angst. Ich stelle mir vor, wie Adams Hand eine Faust wird. Die Hände zur Verteidigung geballt, wird der Mensch blind für das eigene Unrecht.
Und Gott? Gott reagiert, vertreibt Adam aus dem Frieden der ersten Schöpfungswoche, greift ein und lässt Böses nicht zum Himmel wachsen.

Und man könnte denken, dass Gott seine Hand zurückzieht und den Menschen allein lässt. Ich könnte es gut nachvollziehen, wenn Gott sagen würde "...seht nun selber zu, wie ihr zurecht kommt". Verdient haben wir Menschen es nicht, wenn Gott uns berührt und Leben schenkt. Aber Gott entscheidet sich anders.

Das Bild Michelangelos von den Händen ist für mich nicht nur ein Schöpfungsbild, sondern ein Gemälde, wie Gott noch immer seinem geliebten Menschen nahe ist. Er kann es nicht lassen. So erzählen die Geschichten der Bibel von Anfang bis Ende, wie Gott den Menschen durch sein Wort, durch besondere Ereignisse, durch Träume und andere Menschen berührt.

Von Gott berührt zu werden, ist bis heute keine Ausnahme, sondern eine Erfahrung vieler Menschen. Gott ist manches Mal näher als wir erahnen. So kann es zum Beispiel sein, dass ein Mensch, der immer wieder die Nähe Gottes sucht, etwas ausstrahlt. Es ist vielleicht ein Mensch, der sich immer wieder darin übt, seine Hand Gott hinzustrecken und zu erfahren, wie gut es tut, von Gott gehalten zu werden. Ich kenne solche Menschen - und sie waren und sind mir bis heute sehr wichtig, weil sie ohne viele Worte etwas von dem gelebt haben, was das Gemälde zeigt: Gott sucht den Menschen und der Mensch findet sein Leben bei Gott.

Ihr






nach oben zum Seitenanfang



Sie sehen auf dem Titelblatt eine Fotografie zum Thema "Hände".



Wieder sollen in diesem Brückenbogen "Hände" zum Thema werden. Dieses Mal sehen wir einen Töpfer bei der Arbeit. Das Bild zeigt jedoch nicht die Bewegung, die beim Formen einer Vase notwendig ist. Denn eigentlich dreht sich der Ton und wird im Drehen zu einer Vase vom Künstler geformt. Ich stelle mir das Geräusch eines Motors vor, der die gleichmäßige Drehung der Vase veranlasst. Vom Töpfer sind nur seine Hände zu sehen. Der nasse und schon getrocknete Ton klebt an seinen Händen. Beide Hände zeigen eine vorsichtige und fast zarte Berührung der Vase. Es ist erstaunlich, wie die Hände dieses Künstlers eine so schöne Form gestalten können. Eigentlich könnte der Tonhandwerker doch aufhören. Aber seine Hände berühren die Vase noch. Noch ist er nicht fertig. Noch ist er bei der Arbeit. Ich stelle mir vor, wie konzentriert er ist und schon genau im Kopf weiß, was er noch verändern will. Und seine Hände werden es in den nächsten Sekunden und Minuten ausführen. Dieses Bild zeigt, wie sich unter den Händen des Künstlers etwas schön gestaltet.

Ja - ich denke, das Bild zeigt etwas von dem, was sich jeder für sich wünscht: dass die eigene Arbeit gelingt….
dass die eigene Mühe nicht umsonst ist….
dass bei aller Anstrengung und Kraft etwas Wunderbares geschaffen wird und am Ende Freude aufkommt und (bestimmt auch) der Stolz über die Leistung steht….

Und andersherum ist es schwer für den Töpfer, wenn er merkt, dass die Vase nicht so wird, wie er es sich vorgestellt hat. Dann wird er anders zufassen. Dann wird er die schon fast fertige Form mit seinen Händen zurück bilden in einen Klumpen und noch einmal beginnen.

Das Bild regt dazu an, über die eigene Arbeit nachzudenken. Wie ist sie gelungen? Was war einfach wunderbar? Welches Werk ist gerade in Arbeit und wie komme ich damit zurecht ?

Aber es gibt da auch die andere Seite, nämlich die Erfahrung, dass nicht alles ein Meisterstück wird. Wie gehen wir damit um? Können wir neu anfangen wie der Töpfer oder kommt die Vase mit ihren kleinen Fehlern dennoch auf den Tisch?
Muss wirklich alles "perfekt" sein, damit es ein Recht hat, zu überleben?

Ein letzter Gedanke:
Bei dem Propheten Jeremia wird Gott einmal (Jer.18) mit einem Töpfer verglichen. Der Töpfer hatte "Pech". Sein Topf missrät ihm. Er fängt noch mal neu an und gestaltet einen neuen, besseren Topf. Der Prophet betont: Gott hat das Recht, wie ein Töpfer, seinen Ton noch mal neu zu gestalten. Und selbst Gott - so deutet es Jeremia an - ist etwas misslungen. Das Volk Israel bleibt nicht auf den Wegen des Segens und des Vertrauens zu seinem lebendigen Gott. Der Prophet sagt es deshalb deutlich: So wie der Töpfer Macht und Recht hat, seinen Topf noch einmal anders und neu zu schaffen, so hat auch Gott dieses Recht und diese Macht über uns Menschen.
Und es ist ja auch so, dass Gott immer wieder eingreift und eingegriffen hat. Wir können zwar nicht behaupten, dort oder hier habe seine Hand gewirkt oder zerstört. Aber letztlich wirkt Gott und handelt an uns bis heute.

Nicht zuletzt legt er "Hand an uns", indem er uns nicht mit Gewalt, sondern durch seinen Geist gestaltet, erneuert und uns auf seinen Wegen hält. Seit Pfingsten ist es gewiss, dass Gottes Geist in uns wirkt. Und selbst wenn böse und verkehrte Worte, Gedanken oder Taten in uns Raum gewinnen, ist nicht alles hoffnungslos verloren. Jesus sagt einmal: Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Das Bild vom Töpfer ist schon richtig. Gott bleibt der Gestalter und Schöpfer auch des neuen Lebens, das mit der Taufe in uns beginnt.
Nur gut zu wissen, dass er mit uns als dem "Ton" vorsichtig und liebevoll umgeht. So kann dann doch noch etwas aus uns werden, woran sich Gott und andere Menschen freuen können.

Ihr






nach oben zum Seitenanfang



Sie sehen eine Fotografie zum Thema "Hände".



Der Hintergrund ist schwarz. Die Hände umfassen den Kopf einer antiken Statue. Am hellsten auf dem Bild ist dieser Kopf. Das Gesicht verrät nicht viel. Keine Gefühle sind zu erkennen, kein Zorn, keine Trauer oder Freude. Fast teilnahmslos schaut das Gesicht den Betrachter des Fotos an. Es wird ein junger Mann dargestellt sein. Das ist gut zu erkennen aufgrund seines faltenfreien Gesichts und der Haare. Mehr sieht man nicht von ihm. Und dann sind da noch die Hände, die den Kopf halten. Vielleicht sind es die Hände eines Archäologen, der den Kopf vorsichtig trägt, damit er nicht beschädigt wird. Vielleicht sind es Diebeshände, die den kostbaren in Stein gemeißelten Kopf verschwinden lassen.
Ich weiß es nicht.

Mich beeindruckt dieses Foto. Ein wertvolles Kunstwerk in den Händen eines Menschen, vielleicht unbezahlbar. Wenn der Träger den Kopf fallen lässt, könnte er beschädigt werden oder zerbrechen. Es kommt darauf an, dass er vorsichtig und behutsam mit diesem Kunstwerk umgeht. Aber hat er daran Interesse? Was ist, wenn ihm der antike Kopf des jungen Mannes völlig gleichgültig ist? Hat der Träger des Kopfes eine Ahnung von dem Wert des Kunstwerkes?
Ich weiß es nicht.

Mich erinnert das Bild an das Leben Jesu von Nazareth. Weihnachten sehen wir viele Krippenbilder. Aber auch dieses Bild könnte ein Weihnachtsbild sein. Gott wagt es und legt seine Liebe, legt seinen Sohn in die Hände der Menschen.
Ob das wirklich gut geht?

Und dann mit etwa 30 Jahren geht Jesus in die Städte und Dörfer Galiläas, um allen zu sagen, dass das Reich Gottes angebrochen ist. Er heilt Menschen, vergibt die Schuld, lässt sich auf Prostituierte und "Banditen" ein.
Ob das wirklich gut geht?

Nein - das geht nicht gut. Jedenfalls sammeln sich seine Gegner. Sie planen seinen Tod, wollen ihn nicht mehr hören. Es ist so, dass sie ihn fallen lassen, weil er nicht das ist, was sie erwarten und erhoffen. Er sollte ein Messias sein, der sich auch politisch durchsetzt und Israel befreit. Er sollte einer sein, der das Gesetz wieder zur Geltung bringt. Aber Jesus setzte auf Erbarmen, Vergebung und Vertrauen. Er gab Menschen Hoffnung, die keinen mehr hatten oder die keiner mehr wollte. Er sah seine Aufgabe darin, die zu suchen und selig zu machen, die verloren sind. Das konnte nicht gut gehen. Im Urteil vieler Menschen ist er daran gescheitert. Er wurde gekreuzigt. Das hätte Gott wissen müssen, dass das nicht gut geht. Er hatte seinen Sohn in die Hände der Menschen gegeben. Und nun gab es keinen Ausweg. Und doch halten Christus noch ganz andere Hände. Gott selbst trägt seinen Sohn durch den Tod hindurch zum Leben. Die Freunde und Anhänger Jesu, seine Jünger und Jüngerinnen erleben Ostern, die Auferstehung Jesu.

Und deshalb gilt: Das Leben und Leiden Jesu war nicht umsonst. Jetzt gilt sein Wort erst recht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.

Je länger ich mir das Foto mit dem Kopf des jungen Mannes ansehe, denke ich: Äußerlich gesehen mag es so sein, dass die Hände und die Menschen Macht über diesen Kopf haben. Äußerlich gesehen mag es sein, dass sie entscheiden, was mit diesem antiken Kunstwerk geschieht. Ja, Gott gibt sich in die Hände der Menschen. Aber genau so findet er uns, genau so liebt und bewegt er Menschen. Und es ist ein Wunder, wie viel Kraft und "Macht" von Jesus Christus bis heute ausgegangen ist: Menschen vertrauen ihr Leben Gott an, Menschen beginnen, Grenzen zu überschreiten und Frieden zu suchen, Menschen sind sich nicht zu schade, Zeit und Leben zu geben für Aufgaben, die sonst keiner anfasst.

Ihr






nach oben zum Seitenanfang



"Hände"

das neue Kirchenjahr beginnt am 1. Advent. Wieder wird es so sein, dass der Advent einen eigenen Zauber hat. Vielleicht ist dieser Zauber nicht so intensiv, wie Sie es in der Erinnerung Ihrer Kindheit haben. Vielleicht übertönt manche Weihnachtsmelodie in den Kaufhäusern diesen Zauber. Aber irgendwie bleibt der Advent doch eine ganz besondere Zeit.
Kerzen werden angezündet und bringen Atmosphäre, Konzerte werden aufgeführt und besucht, Spaziergänge werden gemacht und lange geplante Besuche doch noch nachgeholt - auch wenn die Zeit einfach knapp ist.

Auf den Titelbildern der Gemeindebriefe im neuen Kirchenjahr werden Sie nun das Motiv der Hände sehen.

Auf diesem Bild sehen Sie die Hände einer Person und eine Kerze. Die Hände halten die Kerze umschlossen. Sie tragen die Kerze, sie halten sie fest. Es ist fast so, als ob der Mensch sehr vorsichtig mit dieser Kerze umgeht. Sie soll nicht hinfallen, sie soll nicht verlöschen.
Für mich spricht dieses Bild in besonderer Weise in der Zeit von Advent, Weihnachten und Epiphanias. Diese Festzeiten werden zwar bei uns fast überall gefeiert und gestaltet. Aber damit sind die Feste Gottes noch lange nicht bei mir in meinem Leben. Es ist so wie auf dem Titelbild. Kerzen gibt es überall, in vielen Häusern und Stuben leuchten sie. Aber ob das Licht auch bei mir und in meinem Leben ist, hängt davon ab, ob ich es in meinen Händen trage, ob ich es schütze und ob ich mir die Zeit nehme, die Kerze festzuhalten.
Ob Advent und Weihnachten, ob das weitere Kirchenjahr für mich eine Bedeutung haben und mir Vertrauen zu Gott und Trost geben, hängt davon ab, ob ich mich einlasse auf Gottes Zeit und auf das, was Gott mir sagt.
Und wieder sehe ich das Titelbild. Die Kerze leuchtet schon. Sie brennt, gibt Wärme und Licht. Genauso ist es mit dem, was Gott schenkt und gibt. Wir können und müssen nicht selbst das Licht schaffen. Wir wären überfordert. Gott ist aktiv, Gott hat etwas vor, Gott selbst kommt zu uns und sucht uns. Advent und Weihnachten lassen sich viel gelassener erleben, wenn wir von Gott erbitten und erwarten, dass er uns anrührt und in uns neue Hoffnung und neuen Glauben schafft. Insofern bleibt der Zauber dieser Zeit bis heute bei uns. Er gehört nicht in die Kindertage. Wo der Himmel die Erde berührt, wird etwas neu und heil. Wo Gott uns Menschen berührt und zu uns mit seiner Gnade kommt, sind wir nicht mehr mit uns allein. Wo Gott uns Menschen mit seinem Erbarmen berührt, geschieht etwas Wunderbares. Es vollzieht sich ein Wechsel. Gott trägt meine Menschlichkeit und Sünde und ich werde ein angenommener Mensch ohne wenn und aber.

In unseren Weihnachtsliedern wird dieses Wunder in alten Worten besungen:

Nicht wir entzünden die Kerze, nicht wir machen es hell - aber die Kerze tragen und ihr einen Raum geben in unserem Leben - das ist unsere Aufgabe. Manche Aufgaben überfordern, andere Aufgaben sind ein Segen für uns.

In diesem letzten Sinn meine ich die nun folgenden Aufforderungen:

Du brauchst die Kerze nicht selbst anzuzünden. Das macht Gott - und er macht es gern.






nach oben zum Seitenanfang



"Engel voller Hoffnung"

ein letztes Mal ein Bild der Hoffnung. Ein letzter Gemeindebrief, der das Thema "Hoffnung" aufgreift, vor dem Beginn des neuen Kirchenjahres im Advent.

Paul Klee, Engel voller Hoffnung, 1939
Der in der Schweiz geborene und viele Jahre in Deutschland lebende Künstler Paul Klee hat 55 Engelbilder gezeichnet. Sie erinnern an Kinderzeichnungen oder frühe Felsmalereien. Paul Klee zeichnet Engel ganz anders als gewohnt. Sie sind nicht fertig oder erhaben. Es fehlen der Lichtglanz und die göttliche Würde, die in alten Engeldarstellungen oft zu finden sind.
Der Künstler hatte wohl Freude daran, seine Engel ganz menschlich zu zeich-nen. So gibt es z.B. einen "vergesslichen" oder einen "zweifelnden" Engel. Die-ser Engel auf dem Titelbild ist voller Hoffnung.
Ein Engel voller Hoffnung - und das im Jahr 1939, in dem Paul Klee dieses Bild erstellte.
Das ist schon beeindruckend, wenn man seine Lebensgeschichte etwas beleuchtet. 1933 wurde er als "entarteter Künstler" von den Nationalsozialisten fristlos entlassen. Er kehrte nach Bern zurück. 1935 diagnostizierte man bei ihm eine unheilbare Krankheit. 1937 wurden 102 Werke von Paul Klee in deutschen Sammlungen als "entartete Kunst" beschlagnahmt. Trotz der Einschränkungen durch die zunehmende Krankheit hatte er ab 1938 eine sehr produktive Schaffensphase. Er improvisierte viel und bediente sich verschiedener Ausdrucksformen, darunter Bleistift-, Kreide- und Tuschezeichnungen.
Der Engel voller Hoffnung entstand kurz vor seinem Tod im Jahre 1940.
Diesem Engel voller Hoffnung sieht man gar nicht an, dass er von einem Künstler stammt, der keine Perspektiven mehr hat. Sein Leben neigt sich dem Ende zu, sein Werk wird in Deutschland verachtet und verhöhnt.
Der Engel schaut nach oben. Er hat ein freundliches Gesicht. Er nimmt ganz wach wahr, was geschieht. Nichts ist zu sehen von Verbitterung oder Härte.
Seine Flügel - oder sind es Arme? - zeigen nach oben. Betet er vielleicht? Ich muss diesen kleinen Engel immer wieder anschauen. Er interessiert mich. Ich würde ihn am liebsten fragen, was er gerade denkt oder was er fühlt. Dieser Engel strahlt für mich Ruhe und Stille aus. Sein Mund ist nicht geöffnet - nur ein kurzer Strich.
Vielleicht ist alles gesagt. Vielleicht sind jetzt Worte nicht angebracht. Vielleicht drückt die Stille mehr Hoffnung aus als viele Worte, die überdecken sollen, wie schwer es manchmal in der Welt ist.
Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, das Schwere, die eigene Not, die Krankheit oder den Streit mit zu nehmen in die Stille vor Gott.
Könnte es nicht sein, dass im Gebet und im Alleinsein mit Gott die Unruhe und die Hoffnungslosigkeit eine andere Farbe bekommen? Ich denke und erlebe es jedenfalls immer mal wieder, dass es gut tut und dran ist, nicht mehr so viel zu reden.
Vielleicht ist sich der kleine Engel voller Hoffnung auch ganz sicher, dass Gott ihn nicht vergessen hat.
Er schaut - er ist wach - er schweigt und wartet vielleicht auf das, was Gott gibt. Vielleicht ist genau das Hoffnung: zu wachen, ruhig zu werden und darauf zu warten, was Gott gibt.
Wir gehen im Herbst auf das Michaelisfest zu. Michaelis war und ist ein wichtiger Festtag in unserer Gemeinde. Engel sind Boten Gottes, die Hoffnung bringen.
Der kleine Engel voller Hoffnung erinnert daran.






nach oben zum Seitenanfang



Wir haben Hoffnung....

So war dieses kleine Bild unterschrieben, das ich in einem christlichen Kalender fand.

Wir haben Hoffnung. Ganz schön mutig und gewagt ist dieser Satz: "Wir haben Hoffnung". Mutig und gewagt ist er, wenn man sich das Bild dazu anschaut. Eine kleine Blume hat so viel Kraft, dass sie die Mauer nach oben drückt. Sie beugt sich zwar, weil die Last so groß ist - aber sie ist nicht eingeknickt. Das Bild ist eindeutig. Wenn die Blume nicht wäre, wäre das ganze Bild ausgefüllt mit einer Steinmauer. Nichts wäre zu sehen außer Steinen. Nichts wäre davon zu erahnen, was hinter der Mauer liegt.

Aber nun ist die Blume da. Nun hat sie ihre Kraft entwickelt. Sie hat ihre Wurzeln in der Erde und sie ist nicht zu halten. Die Mauer muss nun doch etwas frei geben von der Sicht. Hinter der Mauer ist es auf jeden Fall nicht dunkel, nicht schwarz.

Wir haben Hoffnung. Ich denke, viele kennen das Gefühl, von einer übermächtigen Mauer umgeben zu sein. Das ganze Bild ist ausgefüllt. Es gibt kein Durchdringen. Wir schlagen umsonst an die Mauer - es gibt keine Tür.
Besonders die Menschen werden vielleicht so fühlen, die krank sind oder schon lange leiden an bestimmten Situationen oder kaum veränderbaren Zuständen. Es ändert sich nichts. Wie auch? Gerade wenn es um Leiden in Beziehungen zueinander geht in der Familie oder im Dorf, ist man so hilflos. Man kann ja nicht einfach den anderen verändern. Man kann ja nicht erzwingen, dass es zu einem achtungsvollen, ruhigen und offenen Gespräch kommt.
Der Gegensatz zur Hoffnung ist oft die Hilflosigkeit und Ohnmacht... Was soll ich denn noch tun?

Aber dennoch ist auf dem Bild die kleine Blume zu sehen. Hoffnung. Perspektive. Hinter der Mauer geht es weiter. Ist das Bild wirklich realistisch, oder will es nur die Härte der Realität etwas abmildern?
Manch einer mag so urteilen. Für mich zeigt das Bild deutlich, dass wir uns nicht gefangen nehmen lassen sollen von dem, was zunächst so klar und unwiderruflich zu sein scheint. Die Mauer ist da - und sie hat Macht. Aber da gibt es noch andere Kräfte. Auf sie kommt es an. Die Blume steht für Kräfte, die man zunächst unterschätzt, die man schnell vergisst. Aber sie sind auch da - und sie sind real.

Wenn Christen gelassen und mit Geduld mit schweren Dingen umgehen - nicht aus Gleichgültigkeit oder aus einer unberührbaren Entfernung - dann ist etwas von Hoffnung und Blumen zu spüren. Wenn wir Christen mit Vertrauen an die Dinge herangehen, die unabänderlich zu sein scheinen, weil wir von Gottes Kraft viel erwarten - dann ist etwas spürbar von dem, was hinter der Mauer blüht.

Hoffnung heißt "durch den Horizont zu sehen". Klar, dass letztlich christliche Hoffnung ihre Quelle in dem hat, was Gott uns gibt. Sein guter Geist wirkt in uns, schafft neue Kraft, arbeitet an uns, damit wir nicht den Glauben und die Hoffnung verlieren. Gut zu wissen.






nach oben zum Seitenanfang



Bei der Vorbereitung des neuen Gemeindebriefes bin ich auf dieses Bild gestoßen.

Zunächst merke ich, dass es mir nicht auf Anhieb gefällt - und doch lässt es mich nicht los. Es hat mich nachdenklich gemacht. Keine schöne Sonne ist zu sehen, keine spielenden Kinder im Garten, kein fröhliches Gesicht, das mich anlächelt. Stattdessen sind die Wände kahl, eine lange Treppe ist zu sehen. Es scheint ein langer Aufgang aus einem Tiefgeschoss zu sein. Die Wände sind sehr hoch - sie erinnern mich an eine Schlucht. Und dann sehe ich noch das Geländer und einen Menschen. Er geht hinauf, hat schon fast ein Podest erreicht. Man sieht nur seine Gestalt. Und noch etwas ist zu sehen. Der Aufgang führt auf jeden Fall in die Helligkeit. Das Dunkle liegt hinter dem, der die Treppe hinaufgeht.
Wieder ein Bild zum Jahresthema "Hoffnung" im Brückenbogen. Wieder bringt es uns das Thema Hoffnung näher. Hoffnung begleitet uns täglich: Kinder und Eltern hoffen auf ein besseres Schulzeugnis, Erwachsene hoffen auf neue Kraft nach einer anstrengenden Woche, Jugendliche hoffen, dass die Bewerbung nicht umsonst ist, Kranke hoffen auf Erholung und Gesundheit, hoffen, hoffen, hoffen…

Hoffen hat etwas mit Treppensteigen zu tun. Man braucht einen langen Atem…. muss auch mal - bei längeren Treppen - Pause machen, verschnaufen, um wieder mit neuer Kraft Stufe für Stufe weiterzugehen. Aber man ist nicht gleich oben, man ist eben nicht gleich in der Sonne. Es braucht seine Zeit. Es braucht unsere Geduld. Schritt für Schritt, Stufe für Stufe. Nur so kommt man ans Ziel, nur so geht es.

Ich erinnere mich, dass im neuen Testament Paulus sagt: Die Geduld ist eine Gabe des Geistes Gottes. Und gerade, wer sich von Herzen etwas wünscht, was er noch nicht hat, weiß, wie schwer es ist, Geduld zu haben. Nur gut, dass Gott uns seinen Heiligen Geist gegeben hat. Er wird in uns die Hoffnung wach halten. Er wird in uns wirken, so dass wir etwas gelassener, geduldiger weitergehen. Schritt für Schritt.

Aber das Bild hat noch eine Seite, die mir nicht gefällt. Dieser Treppensteiger ist ganz allein. Keiner ist sonst zu sehen. Wo sind die Menschen? Haben sie ihn verlassen? Oder ist es gar nicht so? Ist vor ihm noch jemand, der gerade durch die Biegung der Treppe nicht mehr zu sehen ist? Oder kommt ihm gerade jemand entgegen? Wir sehen es nicht. Menschen sind heute oft allein. Sie leben miteinander, aber haben sich nichts zu sagen. Viele bleiben bei sich. Keiner will den anderen belasten. Man macht so viel allein mit sich selbst ab. Es ist ja auch nicht leicht, dem anderen mitzuteilen, was mich wirklich bewegt. Und ist der andere wirklich einer, dem ich vertrauen kann?
Aber vielleicht braucht es nur einen oder zwei Schritte weiter, um einem anderen Menschen zu begegnen. Die Treppe macht eine leichte Biegung - wer weiß, was und wer mich noch erwartet?
Ich hoffe darauf, dass Gott selbst schon einen Boten losgeschickt hat, damit er mich begleitet und mir hilft.
Kann man eigentlich noch mehr von Gott sehen auf diesem Bild ?
Für mich sind es zwei Dinge, die auf Gott hinweisen.
Zunächst das helle Licht, das in den langen Aufgang hineinleuchtet. Gottes Treue ist wie ein Licht. Gottes Vergebung bringt Licht. Jesus sagt von sich: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln.
Und dann ist da ja auch noch das Geländer. Von unten bis oben ist es zu sehen. Geländer geben Halt und Sicherheit, wenn man unsicher auf den Füßen ist. So kann das Wort Gottes neuen Halt geben - und nicht zuletzt Hoffnung, die weiter reicht als dieses Leben.






nach oben zum Seitenanfang



Wieder beginnt das neue Kirchenjahr. Die kommenden vier Ausgaben des "Brückenbogen" nehmen das Thema "Hoffnung" auf. Der Cartoon auf der Titelseite stammt von Roger Schmidt, der freundlicherweise den Abdruck erlaubt hat. Das Titelbild zeigt, dass es mit der Hoffnung nicht so einfach ist. Das Wort "Hoffnung" liegt auf einer Schubkarre. Mit der Hoffnung geht es nach oben - so denken wir. Aber in dieser Zeichnung ist der Weg nach oben schwer. Der Mann müht sich ab. Sicher - er hat Hoffnung (auf seiner Karre). Aber er selbst muss die Hoffnung nach oben tragen. Eigentlich soll doch die Hoffnung mich tragen.

Und dann überrascht auch noch der unter dem Cartoon stehende Satz: Hoffnung ist wie eine Achterbahn: "Kaum ist man oben, geht´s schon wieder bergab..."
Keine guten Aussichten. Aber vielleicht geht es darum, ehrlich zu sein mit sich und dieser Welt.

Wenn wir gesellschaftliche Themen betrachten, scheint der Cartoon genau den Punkt zu treffen. Die Menschen hoffen, dass die Politik endlich den gordischen Knoten in der Gesundheitsreform zerschlagen kann. Die Politiker/innen arbeiten sich ab, tragen auf ihrer Schubkarre die Hoffnung auf Lösungen mit sich. Aber kaum ist man oben, kommt es erneut zu medienwirksamen Angriffen von anderer Seite. Wieder ist die Hoffnung im Tal. Im persönlichen Leben geht es (leider) auch oft so: Man setzt sich ein, gibt sich Mühe, weckt Hoffnungen. Und dann kommt irgendetwas dazwischen, was alles bisher Erreichte in Frage stellt.

Und doch macht mich die Zeichnung nicht mutlos. Der Mann auf der Titelseite ist ganz konzentriert. Er ist nicht abgelenkt. Er gibt nicht auf. Er hat diese Aufgabe und nimmt sie an. Vielleicht denkt er: "Ich trage die Hoffnung weiter - auch wenn es zur Zeit nicht leicht ist."

Aber was meinen wir, wenn wir sagen, "ich hoffe...."? Wenn ich als Christ von meiner Hoffnung spreche, dann meine ich zum Beispiel Folgendes:

Ich hoffe darauf, dass der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang eines neuen, ewigen Lebens mit Gott ist.
Oder: "Ich hoffe darauf, dass uns Gott die Kraft gibt, an unserer Ehe in der Krise festzuhalten und Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Oder: "Ich hoffe, darauf, dass Gott mich behütet in meiner Krankheit und mir Gesundheit schenkt.

Sicher erleben wir dann auch, wie gefährdet unsere Hoffnung ist: Geht es etwas besser, wächst die Hoffnung, gibt es einen Rückschlag, hat es die Hoffnung schwerer.
Gerade deshalb ist mir wichtig, dass meine Hoffnung einen festen Grund hat. Hoffnung ist nicht mit einem Schiff zu vergleichen, das hin und her getrieben wird, sondern mit einem Schiff, dass festgemacht, verankert ist.

Hoffnung bezieht sich zurück auf die Worte und Verheißungen Gottes. Wo gibt Gott uns Hoffnung? Was sagt sein Wort in meiner Situation? Was kann mich jetzt trösten? Zu welchen Lebensbereichen und -themen finde ich keine Verheißungen Gottes? Warum ist das so?
Diese Fragen stelle ich Gott - im Beten, im Lesen der Heiligen Schrift, im Hören seines Wortes, im Gespräch mit anderen Christen.
Und Gott wird sich hören lassen, sprechen und Hoffnung geben - so haben es Christen immer wieder erlebt.

Und nicht zuletzt feiern wir Feste der Hoffnung. Weihnachten - Gott wird Mensch. Ich darf hoffen, weil der Sohn Gottes meine Verlorenheit trägt und mir neues Leben zusagt. Ostern - Christus ist auferstanden. Ich darf hoffen, der Tod hat sein Recht auf mein Leben verloren.

Aber passt dieser Cartoon auf der Titelseite zu unserer Hoffnung? Da trägt der Mann ja die Hoffnung selbst. Klar - christliche Hoffnung ist nicht das Thema des Cartoons.

Aber dennoch können Christen füreinander und für diese Welt Hoffnung weiter tragen. Wenn Menschen ihre Hoffnung verlieren, können Christen davon sprechen, was ihnen Hoffnung gibt. Wenn nach menschlichem Ermessen kaum noch Hoffnung besteht, können wir an Gottes Zusagen erinnern und der Hoffnung damit eine Chance geben. Und manchmal fühlt man sich dann ein wenig wie der Mann, der die Hoffnung in seiner Karre weiter trägt. Das ist nicht immer leicht. Manches Mal sind wir ja selbst entmutigt. Aber wo wir Gott hintragen mit unseren Worten, Liedern, Gebeten und Gesprächen - da lässt sich die Hoffnung auch nieder. Wo Gott wohnt, da ist auch die Hoffnung nicht verloren. Deshalb ist Weihnachten ja so ein wunderbares Fest.

Ihr Pfarrer






nach oben zum Seitenanfang



Sie halten einen neuen "Brückenbogen" in Ihren Händen. Das Titelbild des Gemeindebriefes zeigt zwei Kinder und einen Erwachsenen, die etwas bauen. Schaut man genauer hin, ist es ein Brückenbogen, den sie aus Holz erstellen wollen. Noch sind sie nicht sehr weit gekommen. Aber das wird schon noch. So sieht es jedenfalls aus. Sie sind alle drei konzentriert und haben nur ihre Aufgabe im Blick.

Ich könnte mir vorstellen, dass es ich um einen Lehrer und um Schüler handelt. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Sozialpädagoge oder Sozialarbeiter sich mit Kindern beschäftigt, die in einem Heim aufwachsen.
Vielleicht haben sie sich selbst diese Aufgabe gestellt: Errichtet als Team aus einfachen Holzbauteilen eine Brücke. Vielleicht haben die Kinder gemeinsam mit ihrem Lehrer zunächst diskutiert, was zu tun ist und wer was macht.

Mich regt dieses Bild an, über unsere Gemeinde nachzudenken. Dabei möchte ich zwei Themen aufgreifen.

Der Kirchentag der SELK in Kassel liegt hinter uns - mit "vereinten Kräften" haben viele Glieder unserer Kirche und Gemeinden dieses Werk aus vielen einzelnen Bausteinen zusammengefügt.

Der Kirchentag in Kassel bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Fast 2400 Christen, vor allem aus unserer Kirche, feierten miteinander, diskutierten kontrovers und begegneten einander. Dass der Kirchentag so gelingen konnte, liegt an vielem - aber vor allem an der so intensiven Vorarbeit des Hauptausschusses (des verantwortlichen Leitungsteams).

Ich möchte einen Baustein dieses Kirchentages besonders erwähnen. Es sind die MitarbeiterInnen des Kirchentags aus unserer Gemeinde. Viele Balhorner haben mitgeholfen, insbesondere einige Kindergottesdienstmitarbeiterinnen und Armin Geselle im Kirchentagsbüro und im Hauptausschuss. Euch allen - und ganz besonders Armin Geselle - möchte ich dafür danken, dass ihr eure Bausteine mit eingefügt habt in das Bauwerk "Kirchentag 2006".

Ich meine, dass Gott das Bauwerk "Kirchentag" gesegnet hat. In allem, was gelungen ist, haben wir erleben können, wie "lebendig" und "bunt" unsere Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche ist.

Der zweite Gedanke: Auf dem Bild sind Kinder zu sehen und nur ein Erwachsener.

In der Kirche ist es häufig eher anders herum. Mehr Erwachsene und ältere Menschen sind in den Gottesdiensten zu sehen als Jugendliche und Kinder. Aber ich möchte hier nicht klagen oder über Ursachen nachdenken. Mir ist wichtig, zu sehen, wie wir füreinander wichtig sind.

Jugendliche haben oft Elan, Ideen, möchten etwas verändern und fragen kritisch nach. Genau das ist so wichtig. Auch in der Kirche. Die Erwachsenen haben schon so viele Antworten für sich gefunden (oder auch nicht). Sie meinen, man darf das "Kinde nicht mit dem Bade ausschütten" und haben eher eine "abgepufferte" Lebenseinstellung. Aber damit steigt die Gefahr, sich nicht mehr berühren zu lassen von Fragen, von Kritik, von der Sehnsucht nach Veränderung.

Deshalb ist die Stimme von jungen Menschen so wichtig in der Kirche. Bringt eure Stimme ein - baut mit am Brückenbogen, baut mit an der Kirche - denn Ihr selbst seid gemeinsam mit den Erwachsenen und Kindern Kirche Jesu Christi.

Auf der anderen Seite brauchen wir genauso die Stimme der Erwachsenen und Älteren. Sie sind manchen Weg gegangen. Sie haben manche Erfahrung gemacht. Viele wissen, was es heißt im Beruf zu stehen, Verantwortung für andere Menschen zu tragen oder sich zu ängstigen vor dem, was morgen kommt. Das alles nimmt uns Erwachsenen manchmal die Leichtigkeit - aber es kann uns auch in die Nähe Gottes tragen. Viele ältere Christen haben es gelernt, Gott zu bitten und mit ihm zu leben, weil eben nicht alles aus eigener Kraft glatt verläuft.

Auch diese Stimmen brauchen wir in unserer Gemeinde.

Und wunderbar ist es, wenn in den Familien und in den Kreisen der Gemeinde junge und ältere Menschen aufeinander hören und voneinander lernen - für das Leben und für den Glauben an Jesus Christus.

Ihr Pfarrer






nach oben zum Seitenanfang



Brückenbogen….. der Name des Gemeindebriefs soll anregen zum Weiterdenken.

Für diese Ausgabe des Gemeindebriefs haben wir einen neuen Brückenbogen als Titelbild ausgesucht. Der Brückenbogen ist bei dieser Zeichnung kaum zu erkennen. Die Umrahmung bildet ein Dreieck. Rechts und links sieht man zwei Striche, die oben aufeinander zu laufen. Sie gehören zusammen und bilden einen Bogen. Aber oben bleiben sie offen.
In der Mitte - unter dem offenen Bogen - sieht man zwei Menschen. Ihre Gesichter sehen wir nicht.

Sind es eine Frau und ein Mann? Ist es ein Ehe- oder Liebespaar ? Könnte es in dieser Zeichnung um den Schutz für die Beziehung der beiden gehen? Könnte das ein Bild für die kirchliche Trauung sein? Aber die Zeichnung könnte auch ganz andere Menschen zeigen. So könnten zwei Jugendliche zu sehen sein, die sich über ihre Situation zu Hause austauschen.

Oder noch ein anderer Gedanke: Wir könnten auch eine Mutter mit ihrem erwachsenen Sohn sehen, die sich voneinander verabschieden, weil der Sohn ab dem Sommersemester in München studiert. Ein langer gemeinsamer Weg wird sich nun langsam verändern. Die Mutter muss loslassen. Ihr Sohn geht eigene Wege. Aber was bisher gewesen ist an guter Beziehung, an Freude aneinander, an Wachsen und auch an gemeinsamen Leiden - das geht nicht verloren.

Die beiden sind unterwegs. Sie bewegen sich. Wir wissen nicht, wie lange ihr Weg noch der gleiche sein wird.
Aber jetzt - im Augenblick zeigt das Bild zwei Menschen, die miteinander innig verbunden sind. Sie gehen unter einem Bogen, der nach oben hin offen bleibt.

Dabei denke ich in diesen Tagen gerade auch an den Weg unserer Kirche. Vor kurzem hat die Bischofswahlsynode einen neuen Bischof in Kassel gewählt. Hans-Jörg Voigt wird die Kirche nun gemeinsam mit der Kirchenleitung zwölf Jahre leiten.

Wird es uns in der Kirche gelingen, unterschiedliche Positionen auszuhalten und über Themen weiterhin zu streiten ohne den gemeinsamen Weg in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche zu gefährden.

Welchen Weg wird unsere Kirche gehen?
Meines Erachtens geht es darum, die Heilige Schrift und das lutherische Bekenntnis so in unsere Gegenwart zu übersetzen, dass wir dabei die Menschen mit ihren Fragen und Nöten erreichen ohne dabei die theologischen Grundlagen zu verlieren. Aber genau an dieser Stelle brechen dann auch unterschiedliche Einschätzungen auf.

Aber auch für unseren Kirchenbezirk und für unsere Gemeinden spricht das Titelbild. Seit längerer Zeit spreche ich mit vielen Vorständen über eventuelle Umstrukturierungen im Kirchenbezirk Hessen-Nord. Und sehr häufig höre ich, dass intensivere Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden und Pfarrbezirken sehr schwierig sei. Man mag sich nicht….. es gab vor vielen Jahren einen Streit….. die anderen wollen ja sowieso nicht mit uns zusammenarbeiten.

Ich habe den Eindruck, dass wir ein neues Empfinden für unsere Zusammengehörigkeit entwickeln müssen. Es ist für mich eine entscheidende Frage für die Zukunft unserer Arbeit, ob es uns gelingt, noch mehr als bisher eine Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und Pfarrbezirken zu erreichen.

Ein letzter Gedanke für unsere Arbeit in Balhorn und Altenstädt. Das vergangene Jahr 2005 war für uns ein volles Jahr mit vielen Aktivitäten und Ereignissen. Es ist für mich ein Geschenk Gottes und ein Wunder, dass wir immer wieder in vielen Bereichen der Zusammenarbeit so viel Gutes erleben können. Bei allem, was man kritisch sagen kann, bei allem, was nicht hundertprozentig geklappt hat - bleibt für mich dennoch stehen: Gott hat uns mit seinem Segen und seiner Kraft begleitet und seinen Bogen über uns gespannt. So können wir weitergehen - wie die beiden Menschen auf der Zeichnung des Titelbildes.

Ihr Pfarrer






nach oben zum Seitenanfang



nun hat der Gemeindebrief einen Namen bekommen. Eine kleine Arbeits-gruppe hatte sich häufiger zusammengesetzt und beraten, welcher Name zu dem, was wir in unserer Gemeinde und mit dem Gemeindebrief wollen, passen könnte.
Viele Vorschläge waren zu sichten und zu diskutieren. Aber ein Name hat es dann doch geschafft, im Rennen zu bleiben.

"Brückenbogen" - so wird nun der Gemeindebrief heißen. Damit sind alle bisherigen Namen wie z.B. "Pfarrbrief" oder einfach "Gemeindebrief" nicht mehr aktuell.

Warum gerade der Name "Brückenbogen"?

Das Wort besteht aus zwei Hauptwörtern, nämlich "Brücke" und "Bogen".
Unser Redaktionskreis versteht ihren Einsatz für den Gemeindebrief, (besser: am Brückenbogen) so, dass er mit den Informationen und Texten eine Brücke zu allen Gemeindegliedern und Freunden der Gemeinde schlagen will. So wird jeder Leser auf den aktuellen Stand gebracht, z.B. im Blick auf die neue Orgel. Geburtstage, Beerdigungen, Trauungen und Taufen werden bekannt gegeben. Adressen und wichtige Hinweise zu Veranstaltungen der Gemeinden und des Kirchenbezirks fehlen ebenso wenig. Jeder Leser kann teilnehmen an dem Leben der Gemeinde, auch wenn ein sehr enger Kontakt zur Gemeinde nicht möglich sein sollte. Brücken können so geschlagen werden. Unser Gemeindeleben vollzieht sich ja nicht nur in der Kirche und den Gemeinderäumen. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu Hause den Brückenbogen lesen, können Sie mitdenken und mitbeten für das, was wichtig ist. So könnte es sein, dass Sie die Geburtstagsliste durchgehen und ins Nachdenken und Beten für Menschen kommen, die Sie schon lange kennen. Es könnte auch sein, dass Sie die Informationen über unsere angespannte finanzielle Lage lesen und überlegen, ob Sie noch eine Spende für die Kirche geben könnten - und wenn nicht, dann nochmals und erneut Gott darum bitten, dass wir unsere Arbeit weiter tun können. Mit dem Brückenbogen kommen Freude und auch Sorge unserer gemeinsamen Arbeit zu Ihnen nach Hause - und Sie haben die Chance, Ihre Gemeinde mit zu tragen im Mitdenken, Beten und Mithelfen….

Das Wort "Bogen" erinnert mich vor allem an den Regenbogen nach der Sintflut. Noah hört die wunderbaren Worte Gottes:
"Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde."(1. Mose 9, 12-13)

So erinnert "Brückenbogen" immer auch an den Segen und die Verheißung Gottes. Er setzt neues Leben und verspricht der Erde seine Treue. Von diesem Versprechen leben wir auch in unserer Gemeindearbeit. Ohne Gottes Segen und Begleitung ist unser Tun umsonst.
So schlägt "Brückenbogen" nicht nur einen Bogen zueinander, sondern auch zu Gott. Unsere Aktivitäten, unser Wirken und Tun, unsere Sorgen und Ängste in der Gemeinde bringen wir nicht zuletzt Gott.

Wenn man sich Brückenbögen auf Bildern ansieht, dann erkennt man, wie stark und massiv die Bögen gebaut sind. Sie ermöglichen es, dass Flüsse oder Täler überwunden werden können. So hoffen und arbeiten wir dafür, dass unser "Brückenbogen" eine starke und gute Verbindung zueinander schafft. Wir sind gewiss, dass "Brückenbogen" letztlich auf Gottes Treue verweist. Sie lässt uns gesegnet leben und arbeiten.

In den kommenden Ausgaben werden wir weitere Brückenbögen zeigen und unsere Gedanken dazu mitteilen.

Ihr Pfarrer




zurück zur Startseite    nach oben zum Seitenanfang