Auf dieser Seite veröffentlichen wir in unregelmässigen Abständen Artikel aus dem aktuellen bzw. aus älteren Gemeindebriefen. Auch mit kritischen Themen der Gegenwart wollen wir uns hier auseinandersetzen und wünschen uns eine rege Beteiligung aller Besucher unserer Homepage.
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SELK-Balhorn.
Es ist wichtig, dass wir bei Christus bleiben und mit ihm leben. Durch das Heilige Abendmahl ist Christus auch heute noch bei uns leibhaft gegenwärtig, auch wenn wir ihn nicht sehen können.
Vor seinem Tod am Kreuz feierte Christus mit seinen Jüngern das Passahmahl zur Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. In dieser Situation, wo er Abschied nehmen muss von seinen Jüngern, setzt er das Heilige Abendmahl ein. Damit schafft er, dass er auch für die Zeit nach seiner Himmelfahrt wirklich gegenwärtig bei seiner Gemeinde ist, wann immer diese das Heilige Abendmahl feiert.
Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis.
In jedem Abendmahlsgottesdienst tun wir, was Christus befohlen hat: kraft der Einsetzungsworte, die Christus durch den Mund des Pfarrers spricht, wird das Brot wirklich der Leib Christi und der Wein wirklich das Blut Christi: Jeder der zum Heiligen Abendmahl kommt, empfängt Christi Leib und Blut.
Das ist ein Wunder: wir essen und trinken nicht bloß Brot und Wein, sondern wirklich und wahrhaftig den Leib und das Blut des Herrn; denselben Leib, der am Tag nach der ersten Feier des Heiligen Abendmahls ans Kreuz geschlagen wurde, dasselbe Blut, das am Karfreitag am Kreuz vergossen wurde. Wir werden leibhaftig mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus verbunden. Wir dürfen ihn, den Herrn der Welt, mit unseren Lippen berühren, ja mehr noch: der, den aller Welt Kreis nie beschloss, der lebt in uns, in unserem begrenzten, vergehenden Körper.
Brot und Wein sind wirklich Leib und Blut Christi. Sie sind nicht nur ein Bild, nicht nur ein Zeichen. Sie sind wirklich Leib und Blut Christi. Diese Gegenwart hängt nicht an unserer Erinnerung. Sie hängt nicht an unserer Einbildungskraft oder Fantasie. Diese Gegenwart hängt auch nicht an unserem Glauben. Sondern diese Gegenwart hängt allein am Wort Christi: Das Wort Christi ist es, das dieses Wunder bewirkt, dass wir den wahren Leib und das wahre Blut unseres Herrn Jesus Christus unter Brot und Wein essen und trinken.
- Darum knien manche nieder, wenn die Worte Christi laut werden.
- Darum sind die Gefäße des Heiligen Abendmahls aus Silber oder aus Gold.
- Darum verneigt sich die Gemeinde am Altar vor Christus.
Christus ist wirklich da. Wir können es uns nicht erklären, wie das möglich ist: Das Brot bleibt Brot, schmeckt wie Brot und ist doch Christi Leib. Der Wein bleibt Wein, schmeckt wie Wein, und doch empfangen wir darin Christi Blut. Es ist wie bei glühendem Eisen: Es ist ganz Feuer und doch ganz Eisen.
Aber dass diese Gegenwart nicht an uns hängt, gibt dem Sakrament zugleich auch einen ganz großen Ernst, so macht es der Apostel Paulus deutlich: Denn auch wer sich überhaupt nicht klarmacht, was er da eigentlich empfängt, auch wer völlig gedankenlos nach vorne zum Altar geht, weil alle anderen es ja schließlich auch tun, empfängt in Wahrheit den allerheiligsten Leib und das allerheiligste Blut des Herrn und Richters der Welt. Darum empfangen nicht alle, die zum Sakrament kommen, automatisch das Sakrament zum Segen.
Der Apostel warnt, man kann sich das Sakrament auch zum Gericht nehmen, zum Schaden an Leib und Seele (1 Kor 11,27): Wer nun unwürdig von dem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn.
Diese Worte des Apostels sind oft missverstanden worden: Sie haben immer wieder dazu geführt, dass Christen mit Zittern und Zagen zum Sakrament gegangen sind, als gingen sie gleichsam zu ihrer eigenen Hinrichtung. Sie haben immer wieder dazu geführt, dass Christen gemeint haben, sie müssten im Augenblick des Sakramentsempfangs ganz besonders konzentriert sein, ja sie müssten womöglich sündlos zum Altar gehen, weil sie sonst das Sakrament unwürdig und damit sich zum Gericht und zur Verdammnis empfangen könnten.
Aber darum geht es dem Apostel nicht. Das Sakrament darf nie und nimmer Quelle der Angst werden, darf uns nie und nimmer auf eigene Vorbereitungsleistungen zurückverweisen. Es ist und bleibt der Himmel auf Erden, in den wir fröhlich eintreten dürfen, weil wir von Christus nicht als Vollkommene, sondern als Sünder dorthin eingeladen sind.
Im Abendmahl vergibt uns Christus unsere Sünde. Ja, gerade das geschieht bei der Abendmahlsfeier. Sünde trennt ja von Gott. Wenn wir im Heiligen Abendmahl den wahren Leib und das wahre Blut Christi empfangen, dann nimmt Christus Wohnung in uns, dann ist ER in uns, dann haben wir mit IHM die innigste Gemeinschaft, die es nur gibt. Dann trennt uns nichts mehr von Gott. Dann haben wir Vergebung der Sünden. Gerade mit dem Geschenk des Heiligen Abendmahl will Christus unsere erschrockenen Gewissen trösten und unseren Glauben stärken.
Dennoch sollen wir uns aber auch prüfen. Der Apostel Paulus schreibt (1 Kor 11,28): Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. Ganz praktisch besteht eine solche Prüfung aus drei Fragen:
1. Bekennst du, dass du gesündigt hast und bereust du deine Sünden?
2. Begehrst du die Vergebung deiner Sünden im Namen Jesu Christi?
3. Glaubst du auch, dass es der wahre Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus ist unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken von Christus selbst eingesetzt?
Wenn du auf diese Fragen mit Ja antworten kannst, dann komm fröhlich zum Abendmahl. Denn Jesus Christus selbst spricht (Joh 6, 54+56): Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.
Kraft der Worte Jesu empfangen wir im Heiligen Abendmahl wirklich den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus. Christus schenkt uns das, was er in tiefster Erniedrigung geopfert hat, seinen geopferten Leib und sein vergossenes Blut. Dies sind Gaben der Liebe und Kraft des Lebendigen an uns, Lebensbrot und lebensspendender Trank. Unsere Seele und Leib zehren und genesen vom Opfer Christi. Denn wo wir mit dem Leib und Blut Christi eins werden, ist jegliche Trennung zwischen Gott und uns Menschen (= Sünde) aufgehoben: wir haben Vergebung der Sünde.
Und wir haben "Leben und Seligkeit". Christus ist selber das Leben in Person (vgl. Joh 14,6); wer an ihm Anteil hat, der hat das Leben. Im Johannesevangelium bringt Christus selber dies im Bild vom Weinstock und den Reben zum Ausdruck: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun" (Joh 15,5). Wie sich dieses Bleiben in Christus konkret vollzieht, macht Christus auch deutlich: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm" (Joh 6,56). Und von daher gilt dann zugleich: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken" (Joh 6,54).
Das Abendmahl kann man daher - wenn man bedenkt, dass wir wegen der Sünde "todkrank" sind - mit einem "pharmakon athanasias", einem Heilmittel der Unsterblichkeit vergleichen, mit einer heilsamen, tröstlichen Arznei.
Das Bild vom Weinstock hat aber noch einen weiteren Aspekt: Ich bin nicht die einzige Rebe am Weinstock. Da hängen noch weitere Reben. Das sind meine Glaubensgeschwister. Am Abendmahlstisch habe ich nicht nur engste Gemeinschaft mit meinem Heiland Jesus Christus, sondern auch mit den anderen Kommunikanten. Paulus schreibt (1. Kor 10,16-17): Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist´s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.
Somit bezeugen wir, wenn wir zum Abendmahl gehen, unsere Gemeinschaft im Glauben und im Bekennen mit denen, die neben uns knien. Hier wird deutlich, dass Abendmahlsgemeinschaft gleichzeitig auch Kirchengemeinschaft ist.
Und ein Drittes wird am Bild des Weinstocks deutlich: in unserem Leben kommt alles darauf an, dass wir in Christus bleiben, dass wir mit ihm aufs Engste verbunden bleiben. Denn diese Verbindung ist lebens-, ja sogar heilsnotwendig. Wir bleiben in dieser Verbindung, wenn wir einfach am Weinstock hängen bleiben. Wie eine Rebe vom Lebenssaft des Weinstocks durchströmt wird, so werden auch wir vom Lebenssaft Christi durchströmt, wenn wir zum Heiligen Abendmahl gehen. Unsere verengten Verbindungsströme zum Weinstock werden geweitet. Der Lebenssaft strömt wieder voll in uns hinein. Das Abendmahl ist daher eine Stärkung und Kräftigung dieser Verbindung. Wir werden wieder ganz fest gemacht im Weinstock Christus. Der Kontakt zu Christus wird wieder voll hergestellt. Christus bleibt in uns und wir in ihm. Und ganz natürlich bringen wir Früchte - oft ohne es zu merken.
Die größte Frucht aber und Freude, die die Saftströme Christi hervorbringen, ist das ewige Leben, das uns geschenkt wird. Deshalb dürfen wir als Reben fröhlich und getrost leben und uns an unserem Weinstock, unserm Heiland Jesus Christus, einfach hängen lassen. Denn er allein ist es - nicht wir, der uns mit dem Lebenssaft für dieses Leben, aber auch zum ewigen Leben durchströmt.
Darum lasst uns das Heilige Abendmahl mit Freuden oft feiern, damit wir den großen Schatz, Christi wahren Leib und sein wahres Blut, oft empfangen. Denn Christus selbst sagt: "Solches tut zu meinem Gedächtnis".
Wenn man einmal Kinder fragt, was in einem Gottesdienst in der Kirche geschieht, so werden sie wohl antworten: "Dort betet man zum lieben Gott!"
Und das Beten ist nun wirklich ein ganz wichtiges Anliegen in unseren Gottesdiensten. Im Gebet sprechen wir mit unserem Herrgott, können unsere Bitten und unsere Klage vor ihn bringen, danken und loben für das, was wir täglich von ihm empfangen.
Im Introitus singen wir die Klagepsalmen ebenso, wie die Lobpsalmen. Bittgebet und Dankgebet, Lob und Klage gehören zusammen wie zwei Seiten einer Medaille. Wo wir Gott um etwas bitten, dürfen wir nicht vergessen, ihm auch zu danken für alles, was wir von ihm jeden Tag aufs Neue geschenkt bekommen.
Einer der wichtigsten Gebetsrufe, den wir in allen Gottesdiensten beten, ist der Ruf "Kyrie eleison". Es ist ein griechischer Ruf, der auf Deutsch "Herr, erbarme dich!" heißt.
Der Ruf "Kyrie eleison" wurde schon im ersten Jahrhunderten als Anrufung der römischen Kaiser gebraucht. Wenn der Kaiser auf dem Forum oder anderswo erschien, begrüßten ihn die Menschen mit eben diesen Worten: "Kyrie eleison". Die Kaiser verlangten diesen Ruf, weil sie damit anzeigen wollten, dass sie selbst göttlicher Abstammung waren. Diesen Anspruch mussten die Christen natürlich ablehnen. Sie verweigerten dem Kaiser darum diese Ehrenbezeichnung. Ihr Herr und Gott war allein Gott: der Vater, Jesus Christus, der Heilige Geist: "Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison!"
Der dreifache Kyrie-Ruf erinnert uns an die Dreiheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist in der Trinität. Der Ruf "Kyrie eleison" ist ein Gebet der Gemeinde an den, dem allein alle Macht gegeben ist, im Himmel und auf Erden (Matthäus 28,18).
Und auch im Fürbittengebet verwenden wir gelegentlich diesen Ruf "Herr, erbarme dich". Es ist die Antwort der Gemeinde auf die vom Pfarrer, Lektor oder Vikar im Fürbittengebet vorgetragenen Gebetsanliegen. Damit stellen wir uns als Christen am Anfang des Gottesdienstes und fast am Ende noch einmal zusammen vor unseren Gott, loben ihn mit diesem Ruf, dass er unser Herr und Gott ist und bitten ihn, dass er unser Gebet erhören möge.
Am Beginn unserer Gottesdienste folgt auf das Kyrie das "Gloria in excelsis", "Ehre sei Gott in der Höhe". Das Gloria wird auch als "Hymnus angelicus", als "Lied der Engel" bezeichnet. Es ist der Lobgesang, mit dem die himmlischen Heerscharen das Wunder der Menschwerdung Gottes über den Feldern Bethlehems gepriesen und angebetet haben (Lukas 2,14). Diesen Gesang stimmt der Liturg an und in den "normalen" Gottesdiensten vervollständigt die Gemeinde das Gloria mit der Liedstrophe "Allein Gott in der Höh' sei er!"
Aber an den Festtagen stimmen wir an dieser Stelle einen anderen größeren Gesang an: "Wir loben dich, wir benedeien dich, wir beten dich an, wir preisen dich, wir sagen dir Dank um deiner großen Ehre willen, usw." Dieser Lobgesang, das sogenannte "Laudamus", stammt bereits aus dem 4. Jahrhundert.
Das Gloria wird allerdings in den besinnlichen Zeiten vor Weihnachten (2.-4. Advent) und der Passionszeit vor Ostern (außer am Gründonnerstag) sowie in allen Wochengottesdiensten nicht gesungen. Das liegt daran, dass Lobgesänge einen sehr festlichen Charakter haben. Sie sind für die Sonntagsgottesdienste bestimmt, an denen wir die Auferstehung Christi feiern. In den so genannten geschlossenen Zeiten (Advents- und Passionszeit) soll aber die Besinnung auf die großen Taten Gottes und auf unsere Sünde im Blickpunkt stehen. Dabei wird die Liturgie unserer Gottesdienste immer etwas stiller, ruhiger und besinnlicher.
Ganz besonders beeindruckend und bewegend finde ich es, wenn in der Osternacht nach der langen Passionszeit erst mit dem Gloria wieder die Kirche erleuchtet, der Altar gedeckt wird und die Orgel wiederum erklingt. Hier wird sinnlich erlebbar, was an Ostern für uns geschehen ist. Aus der Finsternis des Todes tritt Christus in das strahlende Licht des Lebens. Und mit ihm treten auch wir vor Gott in sein helles und strahlendes Licht. Vom Tod ins Leben, von der Dunkelheit ins Licht, von der Stille in den himmlischen Lobgesang!
Dieses Jahr ist das Jahr der sog. "Heiligen Elisabeth von Thüringen". In vielen Kirchen und Gemeinden wird an Elisabeth gedacht, indem Ausstellungen, Vorträge und Gemeindefeste organisiert werden. Auch im Altkreis Wolfhagen wird an Elisabeth mit vielen Veranstaltungen erinnert. So wird Ende August bis Mitte September eine Ausstellung in Wolfhagen zu sehen sein. Unsere Gemeinden Balhorn/Altenstädt werden in einem Abschlussgottesdienst am 9. Sept. 07 mitwirken.
Aber was sind für uns evangelisch-lutherische Christen "Heilige"? In einem ersten Vorbereitungsgespräch für das Elisabethjahr haben wir vor kurzem sehr offen miteinander unsere Fragen und Gedanken dazu erörtert. So wurde deutlich, dass der Heiligsprechung eines Menschen in der röm.-kath. Kirche ein langer Entscheidungsprozess vorangeht, in dem viele Gutachten geschrieben und ausgewertet werden. Heilige sind im Sinne der röm.-kath. Kirche Menschen, die aufgrund der kirchlichen Entscheidung als selig und heilig angesehen werden. Sie sind Vorbilder des christlichen Glaubens und werden in der gesamten röm.-kath. Kirche verehrt und können "angerufen" werden. Für evangelische Christen ist dieser Umgang mit den sog. Heiligen fremd. Heilig sind wir, weil wir von Gott angenommen und getauft sind und deshalb zu Gott gehören. Heiligkeit meint für uns nicht, ohne Fehler oder "sündlos" zu sein.
In unserem Glaubensbekenntnis bekennen wir: " ... ich glaube an die eine heilige christliche Kirche…". Diese eine heilige christliche Kirche ist nicht identisch mit einer der Konfessionskirchen. Damit sind nach ev.-luth. Auffassung die Menschen gemeint, die getauft sind und an Jesus Christus glauben. Überall, wo das Evangelium gehört, gelesen und verkündigt wird, überall, wo getauft, die Beichte gefeiert und das Abendmahl empfangen wird, können wir gewiss sein: Hier wirkt Gottes Geist und er schafft das Vertrauen. So entsteht Glaube. Und wo der Glaube an Jesus Christus vorhanden ist, ist zugleich die eine heilige christliche Kirche zu finden.
Damit Menschen aber die Möglichkeit haben, Jesus Christus kennen zu lernen und ihm zu vertrauen, ist es die Aufgabe der Kirchen und der Christen, das Evangelium und die Sakramente so weiter zu geben, wie sie uns in der Heiligen Schrift anvertraut sind.
Aber wie ist es denn nun positiv? Gibt es auch in unserer Kirche die Erinnerung an die Heiligen?
Ja - in unserem Gesangbuch finden Sie unter dem Introitus 096 den sog. "Gedenktag der Heiligen". Die liturgische Farbe ist rot, weil es um Menschen der Kirche geht, an die in besonderer Weise gedacht wird. Der Spruch des Tages lautet: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen (Eph. 2,19).
In den evangelischen Kirchen werden neben der Mutter Jesu weitere Glaubenszeugen geachtet und "verehrt", die man als "Heilige" bezeichnen kann. Ein Theologe formuliert es m.E. zutreffend so:
"Doch wird evangelischerseits nicht eingesehen, dass die röm.-kath. Kirche in Gestalt des Papstes das Recht habe, jemanden für "heilig" und damit auch über den Tod hinaus Gott besonders nahe stehend zu erklären. Vielmehr werden in den evangelischen Kirchen Menschen als Beispiele gelebten Glaubens geachtet, die durch ihre Glaubwürdigkeit, ihren Glaubensgehorsam und ihre Gottverbundenheit beeindrucken." (A. Rössler, Evangelisch-katholisch, S. 140)
Zum Gottesdienst gehört nach dem Verständnis des Alten Testaments auch schon der Weg zum Gotteshaus. Auf dem Weg zum Tempel sangen die Pilger ihre Lieder, die Wallfahrtspsalmen, und bereiteten sich so auf den Besuch des Gotteshauses vor.
Bevor ich die Kirche betrete, mache ich mir klar, dass ich jetzt in einen besonderen Raum hineintrete. Nein, dieser Raum ist nicht an sich heilig, sondern er wird dadurch geheiligt, dass in ihm Christus selbst zu uns kommt. Wenn ich dann durch die Türen trete, denke ich daran, dass ich als getaufter Christ nun wieder in die Gemeinde der Heiligen, das sind alle Getauften, hineintrete. Mir selbst helfen dabei immer Symbole. Taufstein, Wasser, Bilder oder kleine Bibelsprüche, wie der "Taufbefehl" (Mt. 28) können solche Symbole sein.
Wenn ich mich dann an den Platz in der Kirche begeben habe, spreche ich zunächst ein stilles Gebet. Darin danke ich Gott dafür, dass ich zu Seinem Haus kommen durfte, und bitte ihn, dass er mir jetzt die rechte Aufmerksamkeit, Ehrfurcht und Freude schenke, um diesen Gottesdienst feiern zu können.
Und dann fängt er an - Gottes-Dienst. Die Orgel beginnt mit ihrem Vorspiel. Es ist bereits der erste Lobpreis Gottes und damit ein Stück Verkündigung. Für mich ist es immer der Moment in dem ich merke, wie ich ruhig werde. Ich komme richtig an und kann mich auf das Folgende einlassen.
Wenn dem Gottesdienst kein Beichtgottesdienst vorangegangen ist, kann auf das Orgelvorspiel ein Rüstgebet mit einem Sündenbekenntnis der Gemeinde folgen. Es ist sicherlich gut und sinnvoll, dass wir zu Beginn des Gottesdienstes zum Ausdruck bringen, dass wir als Sünder in die Gegenwart des lebendigen Gottes zu treten. Ich bin Sünder und brauche Gottes Vergebung. Darum bin ich hier, um von Gottes Gnade zu hören und sein Heil zu empfangen.
Auf das Sündenbekenntnis folgt der "Introitus". Er ist ein Psalm oder ein Teil eines Psalms, der ursprünglich beim Einzug der Amtsträger ins Gotteshaus gesungen wurde. In gewisser Weise haben wir zu Beginn des Gottesdienstes also eine Doppelung oder gar eine Verdreifachung: Orgelvorspiel, Eingangslied und Introitus haben im Gottesdienst alle dieselbe Funktion. Es sind Gesänge, mit denen sich die Gläubigen auf den Einzug des Herrn vorbereiten, dem der Pfarrer als Wegbereiter vorangeht. Wenn der Introitus von daher auch durch das Orgelvorspiel und/oder Eingangslied ersetzt werden kann, hat er dennoch auch im Gottesdienst seinen guten Sinn, weil durch ihn die Psalmen ihren festen Platz in unseren Gottesdiensten haben.
Viele dieser Introiten haben im Laufe der Jahrhunderte bestimmten Sonntagen ihr besonderes Gepräge, ja sogar ihren Namen gegeben: Okuli ("Meine Augen sehen stehts auf den Herrn…" 026), Quasimodogeniti ("Wie die neugeborenen Kinder nach Milch…" 036) und viele mehr sind jeweils die ersten Worte des früher lateinisch gesungenen Introitus. Diese Introitusanfänge haben wir in unserer lutherischen Kirche in deutscher Übersetzung bis heute beibehalten.
Die Introiten werden jeweils im Wechsel zwischen einem liturgischen Chor, der so genannten Schola, (wo dies nicht möglich ist, vom Liturgen) und der Gemeinde gesungen bzw. gebetet.
Die Melodie der Introiten wird von den so genannten Psalmtönen bestimmt. Dabei handelt es sich um Melodie-Modelle, die den Text des gebeteten Psalms in besonderer Weise hervorheben sollen.
Die Psalmgebete werden in der Kirche grundsätzlich mit dem "Gloria Patri", dem "Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen", abgeschlossen. Damit bringen wir zum Ausdruck, dass der Gott, zu dem in den Psalmen gebetet wird, der Dreieinige Gott ist. Dieser Lobpreis des Dreieinigen Gottes verstummt nur an den beiden letzten Sonntagen der Passionszeit und am Karfreitag. Auch hier zeigt sich wieder, dass die Anordnung der liturgischen Stücke sehr durchdacht ist. Sie ist eine über 2000 Jahre gewachsene Ordnung, unter die wir uns Sonntag für Sonntag stellen. Und ich finde diesen Gedanken besonders faszinierend.
Wie es dann weitergeht mit unserer Liturgie, können Sie in den nächsten Gemeindebriefen erfahren.
Wenn man sich Gedanken zum Gottesdienst macht, stößt man sofort auf die Frage: Was geschieht im Gottesdienst? Antwort: Singen, beten, etwas aus der Bibel und eine Auslegung über Gottes Wort hören und schließlich noch - in regelmäßigen Abständen - das heilige Abendmahl feiern. Eben, was der Begriff an sich sagt: Gottes-Dienst, also Gott dienen - scheinbar eine klare Sache.
Indessen: Wieso "dient" man Gott ausgerechnet mit solchen Tätigkeiten? Warum nicht ganz anders, z. B. mit guten Taten am Sonntagmorgen? Dienst meint im Grunde nichts anderes als: für jemand etwas übrig haben: Zeit, ein offenes Ohr, einen netten Plausch, durchaus auch mit Tat und Einsatz.
Menschen aller Zeiten und Kulturen haben immer wieder das tiefe Bedürfnis gespürt, sich höheren Mächten zuzuwenden, Gottheiten zu verehren und sie gnädig zu stimmen, um so das eigene Lebensgeschick positiv beeinflussen zu können. Oder sie glauben, mit Hilfe von bestimmten Techniken - beispielsweise durch Meditation oder Ekstase - sich der Gottheit nähern zu können.
Selbst in außerreligiösen Formen besteht dieses Streben des Menschen weiter: Er glaubt, mit seinem Handeln, mit seinen Leistungen sein Lebensgeschick gestalten zu können, versteht sich selber als "homo faber", als "seines Glückes Schmied". Entsprechend zielt sein Handeln immer wieder darauf, dass seine Bedürfnisse und Wünsche befriedigt werden.
In eben dieser Weise wird auch der christliche Gottesdienst oftmals missverstanden: Als ein Dienst, eine Pflichtübung, die wir zumindest zu bestimmten Anlässen zu verrichten haben, um unser Verhältnis zum "lieben Gott" nicht zu gefährden, als eine fromme Leistung, die Gott uns am Ende positiv anrechnen sollte, als ein Ausgleich für das oftmals wenig christliche Verhalten, das wir die Woche über an den Tag legen.
Doch diese Meinung ist falsch! In Wahrheit ist der Gottesdienst nämlich nicht zuerst und vor allem unser Dienst an Gott, sondern vielmehr Gottes Dienst an uns und für uns. Gott dient uns Menschen im Gottesdienst: Nicht wir müssen versuchen, uns zu Gott aufzuschwingen, ihn durch irgendwelches religiöses Verhalten zu erreichen oder ihn gar zu besänftigen. Sondern Gott kommt zu uns herab, macht sich für uns erreichbar und beschenkt uns. Der christliche Gottesdienst ist damit das glatte Gegenteil allen menschlich-religiösen Strebens. Er ist in seinem Wesen bestimmt durch die Gegenwart des Mensch gewordenen Gottes Jesus Christus, der uns im Gottesdienst an den Gaben seines Heiles und damit letztlich und vor allem an sich selber Anteil gibt.
Diese wichtige Erkenntnis hat dann aber Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir den Gottesdienst gestalten. Der Kirchenvater Prosper von Aquitanien prägte den gottesdienstlichen Grundsatz: lex orandi - lex credendi; was wir beten, glauben wir, und was wir glauben, beten wir. Und deshalb hat Martin Luther betont, dass christlicher Gottesdienst seinem Wesen nach zuerst einmal nichts anderes als Glaube sei, nämlich: Gottes Liebe in Christus sich getan und gesagt sein lassen. Unser menschliches Tun kann im Gottesdienst so nur noch Antwort auf das sein, was wir empfangen. Ist das Wesen des Gottesdienstes erkannt als Gottes Dienst an uns und unser Tun als Antwort, dann hat dies Folgen für die Gestaltung unseres Gottesdienstes.
Man müsste eigentlich sagen, dass der Gottesdienst ein Erfolgsmodell mit einer sehr langen Geschichte ist. Die Psalmen, die wir im Eingang singen und beten sind größten Teils schon bis zu 3000 Jahre alt. Und so haben sich die unterschiedlichen Teile der Liturgie über viele Jahrhunderte und Jahrtausende zusammengefügt zu unserem Gottesdienst. Manches davon ist heute immer wieder schwer nachzuvollziehen. Wir beginnen den Sinn und die gute Ordnung nicht mehr zu verstehen.
Für mich ist es immer wieder etwas wunderbares, mich hineinfallen zu lassen in die Tradition der Kirche, einen "Gottesdienst mit Geschichte" zu feiern, der meinem Alltag einfach enthoben ist. Je länger je mehr ist es mir wichtig geworden, von der wundervollen Pracht der Liturgie etwas zu erzählen, es zu erklären. Dies will ich nun in den nächsten Ausgaben des Brückenbogens auch tun. Die unterschiedlichen Teile und Stücke des Gottesdienstes sollen dabei ebenso zu Wort kommen, wie die Ordnung des Kirchenjahres und besondere Gottesdienste. Aber vor allem hoffe ich, dass Sie beim Lesen Freude haben und Hunger bekommen auf die Schönheit unseres Gottesdienstes und auch auf das Geheimnisvolle der Liturgie.
Deutschland vor 350 Jahren: Der Dreißigjährige Krieg ist gerade erst zu Ende. Das Land liegt in Trümmern, ganze Landstriche sind entvölkert und verwüstet. Die Überlebenden werden von Hunger und Not geplagt. Epidemien und Seuchen raffen weiterhin Tausende Menschen dahin. Marodierende Banden ziehen umher und verbreiten Angst und Schrecken. Es sind versprengte Reste jener Söldnerheere, die Mitteleuropa in ein riesiges Schlachtfeld verwandelt hatten.
Da erscheint im Jahre 1653 ein Gedicht des Pfarrers Paul Gerhardt aus Mittenwalde bei Berlin: Geh aus, mein Herz, / und suche Freud / in dieser lieben Sommerzeit / an deines Gottes Gaben; / schau an der schönen Gärten Zier / und siehe, wie sie mir und dir / sich ausgeschmücket haben.
Zeilen eines weltfremden Traumtänzers oder blanker Zynismus? Oder tatsächlich Trost für geschundene Seelen? Hoffnung, dass doch noch alles gut wird? Ach, denk ich, bist du hier so schön / und lässt du uns so lieblich gehn / auf dieser armen Erden, / was will doch wohl nach dieser Welt / dort in dem reichen Himmelszelt / und güldnen Schlosse werden!
Hoffnung auf einen Gott, der den Menschen zwar kein irdisches Leid erspart, sie aber letztlich erlöst - das ist der Glauben, in dem Paul Gerhardt gegen die Depression anschreibt. Der Dichter hat dem Leid und der Sehnsucht seiner Zeitgenossen in einer Weise Ausdruck gegeben, die ihn überdauert hat.
Für viele Christen sind besonders Paul Gerhardts Lieder Trost und Stärkung in schwierigen Zeiten. Sehr viele Menschen in unserer Gemeinde können einen großen Teil der Lieder des großen Dichters noch heute auswendig. Sein wundervolles Passionslied "O Haupt voll Blut und Wunden" wurde von den Vereinten Nationen zum Weltkulturerbe ernannt. Die Kirche will nun in diesem Jahr anlässlich des 400. Geburtsjahres von Paul Gerhardt mit einem Gedenkjahr seiner erinnern. Daher sollen die kommenden Passionsandachten in unseren Gemeinden in Balhorn und Altenstädt dazu genutzt werden, die verschiedenen Passionslieder Gerhardts zu bedenken und neu nach zu beten. Wir wollen also gemeinsam in die wortgewaltige Sprache eintauchen und unseren Glauben wieder neu anregen lassen.
"Ach, die Tür des Glücks, sie geht nicht nach innen auf', hat einmal Sören Kierkegaard gesagt - ein ganz und gar adventlicher, weihnachtlicher Satz, der leider viel zu wenig beherzigt wird. Denn Weihnachten, das ist das Fest, an dem die Menschen versuchen, Glück, Frieden und Harmonie geradezu herbeizuzwingen. Wochen, ach, was sag ich, Monate im Voraus wird geschmückt; gekauft, gewirkt. Man darf ja schon froh sein, dass der 42. Weltkongress der "Weihnachts-männer" sich gegen ein zweites Weihnachtsfest im Juli ausgesprochen hat, das die Arbeit am Jahresende erleichtern sollte (kein Witz, so geschehen im Juli 2005 auf der dänischen Insel Seeland).
"Ach, die Tür des Glücks, sie geht nicht nach innen auf" - und doch, welche Anstrengungen, welcher Stress, damit das Fest gelingt. Doch die Tür des Glücks kann ich nicht einhämmern, kann ich nicht einrennen, selbst wenn ich mich mit Macht dagegen werfe, bleibt sie geschlossen. Vor der Tür des Glücks kann ich nur einen Schritt zurücktreten und warten. Und genauso ist es mit Weihnachten. Mag ich noch so viele Adventskalendertürchen geöffnet haben, die Tür zu Weihnachten geht nicht nach innen auf. Ich muss einen Schritt zurücktreten und warten, dass mir die Tür geöffnet wird.
Denn das Geschenk der Menschwerdung Gottes können wir uns nicht selbst machen. Das mag für uns "Macher" im ersten Moment bedrückend sein, doch welche Entlastung erfahren wir dadurch in Wahrheit. Mal nicht für alles verantwortlich sein zu müssen, sich beschenken lassen zu dürfen. Ob wir Gott begegnen, liegt nicht im menschlichen Ermessen. Wir können uns für seine Liebe und Gnade offen halten. Unsere Hände bleiben leer, wenn sich Gott nicht selbst in sie hineinlegt, doch wenn sie schon mit allerlei Tand und Firlefanz gefüllt sind, wird er dort keinen Platz finden.
Im Kind in der Krippe, in dem sich Gottes Größe ganz klein macht will er uns nahe sein. Machen wir uns auch klein, kommen wir ihm auf Knien entgegen mit all unserer Schwachheit, mit dem manchmal schwankenden Glauben. Wenn Gott sich nicht scheut, in einem Kind hilflos zu sein, wird er uns unsere eigene Hilflosigkeit nicht übel nehmen, er erwartet keine "Macher". In der abgeschiedenen Stille des Stalles will er uns begegnen, werden wir selber still, öffnen wir uns ihm in der Einsamkeit und im Gebet. Wenn wir guten Willens sind, wird seine Liebe und Gnade jede Distanz überwinden.
Ich kann diesen Schritt vor der Weihnachtstür zurückgehen, weil ich Gott vertraue: "Ich verlasse mich auf Gott" besagt, dass ich mich verlasse, dass ich nicht nur einen Schritt zurücktrete, sondern ganz aus mir heraus gehe und mich ganz auf ihn einlasse. Er wird die Tür öffnen, ich darf mich beschenken lassen.
"Ecclesia semper reformanda" - "Die Kirche bedarf stets der Erneuerung". Häufig wird der Satz zitiert, oft wird er Martin Luther zugeschrieben. Das Wort stammt aber von einem niederländischen Theologen des 17. Jahrhunderts. Jodokus von Lodenstein war reformierter Pfarrer in den Niederlanden. Er schrieb, es sei unrichtig, seine Kirche als "reformiert" zu bezeichnen. Sie sei vielmehr stets reformbedürftig: "non reformata, sed reformanda".
Viele Mitglieder teilen diesen Eindruck des 17. Jahrhunderts. Auch gegenwärtig meinen viele, Kirche sei dringend reformbedürftig. Sie solle ihre Gottesdienste für Themen der Zeit öffnen. Gewünscht wird Gespür und Bereitschaft, sich auf Lebensfragen der Zeitgenossen einzu-lassen.
Immerhin, bei allem Reformbedarf gilt es festzustellen: Das Christentum mit weltweit rund 2 Milliarden Gliedern ist weiterhin eine wachsende Religion - vor allem in Lateinamerika und Asien. Auch in Deutschland gehen die Zahlen der Austritte deutlich zurück, die Eintritte nehmen zu. Kirchen- und Katholikentage, Kirchenmusik und Angebote in den Citykirchen, aber auch Kloster auf Zeit liegen spürbar im Trend. Das Bedürfnis nach Religion und Spiritualität ist unverändert hoch. Kirche erneuert sich ständig - mit jeder Taufe beginnt ein neuer Anfang des Christseins.
Zudem ist es ein Missverständnis zu meinen, der Erfolg der Kirche hänge am Einsatz der Christen. "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt", sagt Christus zu seinen Jüngern (Johannes 15, 16). Das heißt: Christus selbst baut seine Kirche. Und er selbst erneuert sie durch sein Wort und seine Wirkung. Wo Christen gute Ideen umsetzen, glaubwürdig und anregend, ist er selbst mitten dabei. Es gilt lediglich, den Raum zu öffnen für die eigene Wirkung Christi. Und gelegentlich braucht es den Entschluss, diesen Raum neu zu gestalten und zu renovieren - für einen frischen Geist in offenen Kirchen.
Eine schwere Krankheit oder der Verlust eines Menschen, Abschied oder eine andere tiefe Trauer können diese Frage auslösen. Die Frage ist bedrängend und schmerzvoll, von tiefer Skepsis und Ratlosigkeit getragen; sie hat die Kraft, unseren Glauben zu erschüttern. Der Philosoph Wilhelm Leibniz bemühte sich vor mehr als 200 Jahren um eine Lösung: Für ihn lag der Grund allen Leids in der Freiheit des Menschen. Doch dieser Erklärungsversuch spendet keinen Trost gegenüber Leid, das aus Krankheit oder Naturkatastrophen resultiert. Denn was können die zufällig Verletzten oder Getöteten für ihr Leiden? Nichts. Philosophen und Theologen haben sich an der Frage die Zähne ausgebissen - ohne ihr die Sprengkraft nehmen zu können. Sie bleibt ein Störfall unseres Glaubens, eine ernsthafte, andauernde Beunruhigung.
Wer diese Frage stellt, wer sich dieser Frage stellt, wer an ihr leidet, der hat schon viel vom Gott der Christen verstanden. Der hat verstanden, dass Gott unmittelbare Liebe, Nähe, Verlässlichkeit bedeutet. Die Frage danach, warum Gott das Leid zulassen kann, stellt sich unabhängig von der Zahl der Leidenden. Konsequent zu Ende gedacht reicht das Leid eines einzigen Wesens aus, den Glauben an den zugleich guten wie allmächtigen Gott zu erschüttern.
Die Unlösbarkeit der Frage hat Konsequenzen: Wer sich nach dem Sinn von Leid fragt, der wird nicht mehr so schnell von der Allmacht Gottes sprechen. Der wird sich fragen, wie Gott selbst das Leid der Menschen aushalten kann. Der wird sich weiter fragen, welches Gebet Gott erhört und welches nicht - und woran wir Menschen das erkennen wollen. Christen bleibt nichts anderes übrig, als die dunkle Ratlosigkeit dieser Frage auszuhalten und in die Klage und Trauer der Betroffenen einzustimmen. Die Annahme, dass alles Übel letztlich sinnlos ist, kann uns ganz besonders dazu motivieren, das Leiden der Kreaturen so weit eben möglich zu lindern, statt es zu dulden oder gar zu fördern. Auch im Zweifel können wir darauf vertrauen: Gott will nicht das Leiden, damit die Menschen daraus lernen - er will das Heil aller Kreatur.
Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefes,
ein Leuchtturm auf dem Gemeindebrief. Soll so die Urlaubsstimmung noch bis in den Herbst hinübergerettet werden? Nein, das war nicht (oder jedenfalls nicht in erster Linie) die Absicht bei der Auswahl des Titelbildes.
Vielleicht ist dem einen oder anderen dieses Bild auch schon auf dem Kirchgrundstück aufgefallen: dort, wo die Plakate zum diesjährigen "Jugendfestival" hängen. Bei diesen Jugendfestivals kommen junge Leute aus ganz Deutschland zusammen, um alte und neue Freunde zu treffen, um sich noch einmal über die Sommerfreizeiten auszutauschen und auch thematisch miteinander zu arbeiten.
In diesem Jahr ist das Thema des Jugendfestivals "SICHTBAR - den Glauben zum Leuchten bringen". Deswegen also der Leuchtturm. Auf den anderen Fotos der Einladung sind die große Christusstatue über Rio de Janeiro (Brasilien) zu sehen, betende Jugendliche in einem Schnellrestaurant und junge Menschen, die einem Rollstuhlfahrer die Treppen herunterhelfen.
All dies sind sichtbare Zeichen des christlichen Glaubens.
"SICHTBAR - den Glauben zum Leuchten bringen". Das hat so auch etwas mit Diakonie zu tun. Und darum geht es ja bei den diesjährigen Titelbildern im Gemeindebrief. Wo Menschen diakonisch handeln, sich also anderen Menschen aus christlicher Liebe zuwenden, da wird ja auch etwas vom Glauben sichtbar. Da leuchtet etwas auf von Gottes Barmherzigkeit und Liebe.
Wenn die Jugendlichen Anfang Oktober vom Jugendfestival zurückkommen, können Sie ja einmal bei ihnen nachfragen, was sie erlebt und gelernt haben: wie das geht, sichtbar den Glauben zum Leuchten zu bringen. Und andersherum können auch Sie vielleicht erzählen, wo Sie einmal erlebt haben, wie christlicher Glaube wie ein Leuchtturm geleuchtet und Orientierung gegeben hat.
Liebe Leserinnen und Leser,
Diakonie ist das Thema der Titelbilder des Gemeindebriefes. Dieses Bild findet sich in einer Kinderbibel. Aber ist das wirklich ein Bild, das eine biblische Geschichte zum Hintergrund hat?
Erkennen Sie, liebe Leserinnen und Leser, in dem Bild eine biblische Geschichte zum Thema "Diakonie"?
Sie werden vermutlich etwas ganz anderes sehen. Eine alte Frau in einem Gewand steht am Bett eines Kranken. Das Gesicht der alten Frau sieht man nicht. Aber man sieht ihre zierlichen Hände. Das Gesicht des Mannes ist ausgemergelt. Er schaut diese Frau an. Wer ist diese Frau? Ihr Gewand ist sehr bekannt. Weltberühmt. Es wird wohl Mutter Theresa von Kalkutta sein.
Mutter Theresa in einer Kinderbibel. Passt das? Und zu welcher Geschichte hat man diese berühmte Diakonin gezeichnet.
Dieses Bild soll die Geschichte vom barmherzigen Samariter in unsere Zeit übertragen. Auch unter uns gibt es die Samariter. Auch heute helfen Menschen im Auftrag Jesu denjenigen, die keine Chance mehr haben. Sie kämpfen für die Ärmsten der Armen, sie setzen sich ein für die Gestrandeten und Abgestempelten. Sie gehen nicht einfach an der Not vorbei. Auch heute gibt es Samariter. Mutter Theresa ist ein Beispiel dafür.
Das Bild strahlt Ruhe und Frieden aus. Der kranke Mensch weiß, wie es um ihn steht. Er liegt ganz ruhig - völlig zugedeckt. Und die Samariterin beugt sich tief hinab. Sie legt beide Hände auf die Bettdecke, so als ob sie dem Kranken Halt und Trost geben wollte. Und durch ihre Hände und ihre Zuwendung wird das auch geschehen sein.
Der barmherzige Samariter - diese Geschichte ist eine Erzählung über die Diakonie. Es ist eine Geschichte, die von Barmherzigkeit spricht und die letztlich auf Gottes Barmherzigkeit zurückweist. Denn er ist der barmherzige Samariter. Ein Gott, der sich tief hinabbeugt in seinem Sohn und uns tröstet und heilt.
Titelbild: KINDERBIBEL von Werner Laubi/Annegert Fuchshuber, S. 216, Verlag Ernst Kaufmann
Liebe Leserinnen und Leser,
Entwickelt wurde es 1925 von Professor Richard Böhland von der Kunstschule Berlin für den Vorläufer des Diakonischen Werks, die Innere Mission.
Wie kam es dazu? 1848 versammelten sich 500 Theologen und Laien in Wittenberg, um über die Gründung eines deutschen evangelischen Kirchenbundes zu beraten. Schon damals wurde die "Innere Mission" in den Aufgabenkatalog des geplanten Kirchenbundes aufgenommen. 1849 wurde dann ein Central - Ausschuss für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche eingesetzt. An erster Stelle der Aufgaben stand, dass die Arbeit der Inneren Mission bekannter werden muss. Denn, so heißt es in einem Rundschreiben: "Es gibt in unserem deutschen Vaterlande noch ganze Landstriche und ganze Schichten der Gesellschaft, für die der Gedanke der Inneren Mission ein toter ist, die den Namen derselben kaum gehört und die, wenn sie ihn gehört, nur die fremdartigsten Vorstellungen damit verbinden. In diesen Gegenden und diesen Volkskreisen muss es Licht werden."
So sollte durch ein äußeres Symbol bei öffentlichen Auftritten die Zusammengehörigkeit der verschiedenen Einrichtungen der Inneren Mission erkennbar sein.
Im Zeichen wurde das Kreuz mit den Anfangsbuchstaben der Inneren Mission, also "IM", in Verbindung gebracht. Erst wesentlich später wurde das Signet der Inneren Mission als Kronenkreuz bezeichnet.
1957 wurde das "Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland" gegründet. Es übernahm dieses Signet als ihr eigenes Symbol.
Heute wird es als Zeichen der Ermutigung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie gesehen:
Das Kreuz als Hinweis auf Not und Tod, die Krone als Zeichen der Hoffnung und Auferstehung. Die Verbindung von Kreuz und Krone soll die Zuversicht befestigen, dass Not zu überwinden ist, weil Christus Not und Tod überwunden hat.
Das Kronenkreuz als Zeichen der Diakonie findet sich auch in unserer Kirche. Die Diakonie innerhalb unserer Kirche (SELK) ist auf vielen zwischenkirchlichen Ebenen mit den Werken der Diakonie anderer Kirchen verbunden.
Liebe Leserinnen und Leser,
mit diesem Advent werden sie vier Gemeindebriefe mit einem neuen Thema erhalten. In unserem Gemeindekreis "Krea(k)tiv" haben wir über die Ausrichtung und das Profil unserer Gemeinde gesprochen. Dabei ging es auch um Wünsche für unsere Gemeinde. Sehr deutlich wurde gesagt, dass in unserer Gemeinde das diakonische Engagement wichtig sei und es intensiviert werden könnte. So hat sich der Redaktionskreis darauf verständigt, in den kommenden vier Ausgaben des Gemeindebriefs besonders über die Diakonie zu berichten und dazu Anregungen zu geben.
Dieser Gemeindebrief nimmt das Thema mit einer alten Zeichnung auf.
Wissen Sie, welches Gebäude auf der Vorderseite abgedruckt ist? Wenn nicht, fragen Sie einfach mal die älteren Gemeindeglieder. Ich denke, sie erkennen das abgebildete Haus.
Es ist das sogenannte "Schlösschen" des Gertrudenstiftes.
Dieses alte Bild erinnert an den Anfang der diakonischen Arbeit im Gertrudenstift. Am 18.03.1877 wurde die Stiftungsurkunde in Prag durch Gertrude Fürstin von Hanau unterzeichnet. Metropolitan J. Wilhelm Vilmar übernahm den Vorsitz des Stiftes. Ab 1881 werden regelmäßige Jahresfeste gefeiert. Im Jahre 1920 wird das Gertrudenstift ein eingetragener Verein.
Das Bild auf der Vorderseite des Gemeindebriefes zeigt an, wie klein der Anfang der diakonischen Arbeit damals war. Heute ist das Gertrudenstift eine größere Einrichtung mit ca. 100 Bewohnern.
In einem Kinderlied heißt es:
Gottes Welt beginnt, wie ein Senfkorn klein, und wächst doch wie ein Korn, wird groß und größer sein.....
Gottes Welt hat auch im Gertrudenstift klein begonnen mit mutigen und geistlichen Entscheidungen. Großer Einsatz war nötig, dass das Haus bis heute erhalten werden konnte.
Unsere nordhessischen Gemeinden sind mit dem Ev.-Luth. Gertrudenstift seit seiner Gründung verbunden. Es ist eine Einrichtung in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche und ihrer Diakonie.
Diakonie ist aktives Christsein und somit gelebter Glaube, sichtbare Lebens- und Wesensäußerung der Kirche.
Im sogenannten Diakonieverständnis unserer Kirche stehen die Sätze:
"Wer durch den Glauben an Jesus Christus vor Gott gerechtfertigt ist, hat Frieden mit Gott. Gottes Liebe öffnet den Weg zum Dienst am Nächsten in der Nachfolge Christi".
Unsere Balhorner Gemeinde ist seit vielen Jahren besonders im Advent mit dem Gertrudenstift verbunden. Wir laden auch dieses Jahr die Senioren des Stiftes zu einem gemeinsamen Adventsnachmittag am Donnerstag, den 16.12.2004 um 15.00 Uhr zu uns ein.
Eventuell könnte unsere Gemeinde ihren Einsatz für die BewohnerInnen des Gertrudenstiftes im kommenden Jahr intensivieren. Dazu dann aber mehr in unseren Kreisen und Gesprächen in der Gemeinde.
Liebe Freunde unserer Gemeinde, liebe Gemeindeglieder,
Puzzle haben vor allem für Kinder einen besonderen Reiz. In allen Alterstufen versuchen sie, die Puzzleteile zusammenzufügen und zu entdecken, was für ein Bild entsteht.
Unsere menschliche Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen könnte man auch als ein Puzzle begreifen. Wir wachsen heran, Puzzleteil wird an Puzzleteil angefügt - langsam setzt sich alles zusammen.
Aber auch im Blick auf unsere geistige Entwicklung passt der Vergleich mit einem Puzzle.
Das Kind versteht seine Welt immer besser. Es fragt die Eltern und Großeltern, es lernt in der Schule und durch Erfahrung. Jeder von uns arbeitet seit seiner Kindheit daran, die Welt und sich selbst besser zu verstehen. Jeder hat seine Weltsicht und setzt die Puzzleteile immer wieder zusammen. Manchmal ist das Lebenspuzzle wirklich schwer - und man weiß nicht, wie die Teile zusammengehören. Manchmal versteht und begreift man nichts und man probiert immer wieder einige Teile in das Puzzle einzufügen. Und manchmal fügt sich alles wunderbar ein - ein gutes Gefühl.
Was hat ein Puzzle mit unserem Glauben zu tun ?
Unser Glaube ist auch mit einem Puzzle zu vergleichen. Auch der Glaube an den dreieinigen Gott ist nicht gleich fertig. Viele helfen daran mit, dass unser Glaube wächst und entsteht, auch wenn es letztlich Gott selbst ist, der uns das Vertrauen zu ihm schenkt. Als Kinder hatten wir vor allem die Eltern und Großeltern. Sie haben uns die biblischen Geschichten erzählt. Später haben uns Lehrer und Pfarrer im Unterricht geprägt. Unser Glaube hat sich im Laufe des Lebens verändert. Die Puzzleteile kommen zusammen. Das Bild wird langsam sichtbarer. Ich verstehe heute mehr von meinem Glauben als früher.
Ein Puzzle ist auf der Vorderseite des Gemeindebriefes zu sehen. Drei Teile sind erkennbar. Aber was entsteht für ein Bild, wenn das Puzzle fertig ist? Zunächst sehen wir nur einen Umriss in der Mitte der drei Puzzleteile. Es ist der Umriss eines Menschen. Ist es der Umriss von Jesus Christus oder wird sogar das Kreuz Jesu angedeutet?
Für mich ist diese Grafik beeindruckend. Denn das Puzzle ist noch lange nicht fertig - und doch sehe ich genug. Ich sehe Jesus Christus in der Mitte. Ich werde Gott nicht begreifen können. ER bleibt für mich undurchdringbar. Das Puzzle Gottes ist nicht zu Ende zu bringen. Und doch sehe ich ihn - nur drei kleine Teile. Sie genügen. Auch wenn ich mein Lebenspuzzle, meine Lebensgeschichte nicht zu einem wunderbaren Bild zusammenfügen kann - selbst dann reichen mir diese drei Puzzleteile. Christus in der Mitte, Trost und Halt, Kraft und Gottes Nähe für mich.
Paulus sagt einmal:
Gewiss, Gott gab den Menschen die Möglichkeit, ihn mit Hilfe ihrer Vernunft zu erkennen. Aber sie haben davon keinen Gebrauch gemacht und haben es verschmäht, mit ihrer eigenen Weisheit Gott in seiner Weisheit zu erkennen. Darum beschloss Gott, die Menschen durch das zu retten, was die Weisen für Unsinn halten: die Botschaft vom Kreuzestod. Wer sie annimmt, der ist gerettet. 1.Kor.1,21 (Die Gute Nachricht)
So ist in diesen drei Teilen das Wichtigste von Gott gezeigt. Und doch ist es unsere Aufgabe das Puzzle weiter zu vervollständigen. Der Glaube möchte auch verstehen. Wir haben unseren Verstand und er fragt weiter. So können wir gespannt sein, was noch alles zu entdecken ist auf dem Puzzle. Glaube braucht das Nachdenken und Reflektieren. Wir sollen anderen Menschen Antwort geben über das, was wir glauben und worauf wir hoffen. Und es ist auch ein gutes Erleben, wenn andere mich nach meinem Glauben fragen und ich Antwort geben kann. Das wird mir aber nur gelingen, wenn ich dran bleibe an dem Puzzle und wie ein Kind mit Entdeckerfreude weiter Teile suche und zu dem angefangenen Bild hinzufüge.
Liebe Freunde unserer Gemeinde, liebe Gemeindeglieder,
es gibt eine Menge Dinge, die ganz schön verlockend sind: Zwei Wochen Urlaub am Palmenstrand zu einem sagenhaften Preis etwa. Oder ein neues Auto mit allem denkbaren Schnickschnack als ein echtes Schnäppchen. Solche Angebote sind oft zu verlockend, um "Nein" zu sagen. Auch wenn sich hinter mancher Verlockung nur eine Mogelpackung verbirgt - es gibt sie doch die wirklich verlockenden Angebote.
Nicht jedem wird direkt zum Thema "Verlockung" das Stichwort "christlicher Glaube" einfallen. Dabei ist unser Glaube nichts anderes als ein Sich-Einlassen auf Gottes einzigartiges Lockangebot.
Und genau darum geht es, wenn wir in diesem Jahr das 475-jährige Jubiläum von Martin Luthers Großem und Kleinen Katechismus feiern. Luther schreibt im Kleinen Katechismus: "Gott will uns damit locken, dass wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder, auf dass wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen wie die lieben Kinder ihren lieben Vater."
Das war die Neuerkenntnis Luthers, die er in seinen Katechismen aufge-schrieben hat: Glaube hat nichts mit Zwang und Druck zu tun. Glaube heißt nicht, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Sondern zu glauben heißt, es im Leben und Sterben als Kinder Gottes besonders gut zu haben. Ja, christlicher Glaube ist gut und tut gut.
Ich lade Sie herzlich ein, sich auf das Locken Gottes weiterhin oder ganz neu einzulassen. So können Sie erleben, dass es sich lohnt zu glauben - an und für sich und besonders auch im Zusammensein mit anderen Christen in der Gemeinde. Und das nicht nur in guten, sondern auch in schweren Zeiten.
Und noch ein Tipp zum Schluss: Wenn Sie Zeit und Interesse haben, können Sie ja einmal auf folgender Homepage rumstöbern: http://www.luthers-katechismus.de. Sie ist von unserer Kirche ins Netz gestellt worden und enthält viele Informationen rund um Luthers Katechismen.
Liebe Freunde unserer Gemeinde, liebe Gemeindeglieder,
da paddelt ein Typ mit geschlossenen Augen und sichtlich entspannt auf einem Fluß. Und seine Ruder haben die Namen "Wissen" und "Erfahrung". Und auf dem Schiff steht das Wort "Glaube".
So stell ich mir meinen Weg des Glaubens an Jesus Christus vor. Ich komme weiter auf meinem Weg im Vertrauen zu Christus, weil ich weiß, an wen ich glaube und weil ich Erfahrungen mit meinem Gott mache.
Die Gemeindebriefredaktion hat sich entschieden, vier Titelbilder für das Jahr 2004 auszusuchen, die das Thema "Bildung und Glaube" aufnehmen. Der Grund für diese Themenwahl liegt darin, dass auch das Jahr 2004 ein besonderes Jahr für die evangelischen Kirchen ist. Das Jahr 2004 soll uns an Luthers Katechismen erinnern.
Vor 475 Jahren hat Luther seine Katechismen geschrieben. Und sie haben eine große Bedeutung in der Geschichte der evangelischen und in unserer Kirche erhalten. Luthers Katechismen sind gelernt und gelesen worden. Mit ihnen sind Generationen von Christen unterrichtet worden. Ganz besonders natürlich ist der Kleine Katechismus für die Lutherischen Kirchen in der Welt von entscheidender Bedeutung. In fünf kurzen Hauptstücken entfaltet Luther den christlichen Glauben in einer so elementaren Weise, dass manche Theologen bis heute begeistert sind.
Nur unsere Konfirmanden stöhnen ab und zu - mal mehr und mal weniger. Sie nämlich sind es, die in den zwei Jahren des Unterrichts bei mir noch viele Teile des Kleinen Katechismus mit seinen Erklärungen auswendig lernen müssen.
Oft fragen sie mich, warum sie so viel lernen müssen. Andere Konfirmanden lernen weniger. Und außerdem ist die alte Sprache kaum noch zu verstehen. Das stimmt. Und ich bin auch immer wieder hin und hergerissen, wenn ich daran denke, dass ich die Erklärungen Luthers wiederum den Jugendlichen erklären muss, weil sie nicht mehr verstanden werden. Vielleicht brauchen wir doch mal Erklärungen aus heutiger Zeit!?
Und dennoch hat der Katechismus seinen Wert. Er steht auf der Seite des Wissens. Der Glaube an den christlichen Gott ist mehr als Wissen. Aber ohne Wissen bleibt Glaube unsicher und ungebunden. Wer ist denn Gott für mich ? Woher weiß ich, was Gott von mir denkt und was er für mich tut? Antworten darauf gibt das Ruder "Wissen". Gott hat sich den Menschen gezeigt, hat mit Israel seine Geschichte und vollendet seine Liebe in seinem Sohn Jesus Christus. Das muss man wissen. Aber auch das Ruder "Erfahrung" ist wichtig. Echtes und wirkliches Vertrauen zu Gott erfahren wir häufig durch andere Menschen, die ihr Leben losgelassen und Gott gegeben haben. Mich haben jedenfalls oft Menschen angesprochen und beeindruckt, denen man abspürt, dass sie nicht nur etwas "wissen", sondern dass sie mit Gott gerungen und mit ihm viel erlebt haben.
So gehört für unseren Glauben beides zusammen: Wissen und Erfahrung..... !
Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde unserer Gemeinde,
mit diesem Gemeindebrief haben Sie den letzten Brief in der Hand, in dem das Thema des Jahres, das Wort Gottes - die Bibel, aufgenommen wird.
Das Titelbild ist das offizielle Symbol für das Jahr der Bibel.
Sie haben es bestimmt schon häufiger in Publikationen der Kirchen gesehen. Aber was ist das eigentlich?
Sie Sehen einen Kreis. In dem Kreis sieht man zwei Balken. Der eine Balken teilt sich noch einmal auf und geht über den Kreis hinweg.
Die Balken sollen eine aufgeschlagene Bibel symbolisieren. Die aufgeschlagene Bibel. Das ist zuerst ein Symbol für die Reformation Martin Luthers. Er hat die Bibel, das Wort Gottes, für die Menschen seiner Zeit aufgeschlagen. Er hat sie selbst lesen lassen. Und darum geht es in der Christenheit bis heute. Dass wir nicht ein geteiltes Volk Gottes sind. Auf der einen Seite die Experten, Theologen und Wissenschaftler der Bibel und auf der anderen Seite die Christen, die kaum mit der Bibel in Kontakt kommen. So ist der Kreis für mich auch ein Symbol dafür, dass wir gemeinsam die Bibel lesen und einander zuhören, wie die Bibel von meinem Mitchristen verstanden wird.
Die Bibel verbindet uns Christen auch über die Konfessionen hinweg. Sie ist die Grundlage der Kirchen. Und so sind wir in diesem Jahr mit drei anderen Kirchen (Freie Evang. Gemeinde, Ev. Kirche, Röm. Kath. Kirche) in der Ökumenischen Bibelwoche in Wolfhagen in einer gemeinsam vorbereiteten Bibelwoche verbunden. Wir wollen in dieser Woche intensiv mit der Bibel leben und von ihr her unser Leben beleuchten lassen.
Aber die aufgeschlagene Bibel ist für mich auch eine Anfrage an uns als Gemeinde und Kirche. Im Gottesdienst ist die Bibel aufgeschlagen - ja, das stimmt. Aber wo hat sie in unserem Alltag noch ihren Platz? Ich sehe es auch an mir, wie schwer es mir fällt, mich regelmäßig auf das Wort Gottes zurück zu besinnen.
Ich denke, die Bibel hat so viele Gedanken und wichtige Erkenntnisse, dass wir immer noch von ihr lernen können. Sie ist Gottes Geschenk an uns. In ihr steckt Gottes Liebe und Gnade. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Das gute Wort kann ich mir nicht selber sagen....." - das stimmt. Gott spricht es mir zu. Nicht irgendwo und irgendwie... sondern sehr konkret in diesen menschlichen Worten der Heiligen Schrift. Aber in allem Lesen der Heiligen Schrift brauchen wir auch einen Mittelpunkt, ein Zentrum. Und das ist und bleibt Jesus Christus selbst. Suchen. Und finden. Ja - Gott hat uns gesucht und gefunden. Er geht uns nach - Christus für uns geboren, gelebt, gelitten, gestorben und auferstanden. Von ihm her die Bibel lesen und so Gott finden. Darauf kommt es an.
Das Jahr der Bibel 2003 gibt uns in diesem Jahr auch die Titelbilder vor. Alle Bilder unserer Gemeindebriefe in diesem Jahr sollen mit dem Thema "Gottes Wort" verbunden sein.
Im letzten Brief war Noahs Taube zu sehen. Sie wurde zum Symbol der Rettung, des Heiligen Geistes und des Friedens.
Auf diesem Titelbild sehen Sie, liebe Leser, ein Segelboot.
Starke Wellen und Wolken sind zu sehen. Ein Unwetter ist im Anmarsch. Jesus war oft auf dem See Genezareth. Er hat vom Boot aus den Menschen von Gott und dem Reich Gottes erzählt. Einmal wollte er ausruhen im Boot. Aber es kam ganz anders. Ein Sturm brach los. Die Jünger gerieten in Panik. Und Jesus schlief fest. Die Jünger rüttelten ihn wach und flehten ihn an: "Mach doch was. Hilf uns, Herr." Und Jesus stellte sich in das Boot und befahl dem Wind und den Wellen, zu verstummen.
Jesu Wort mitten im Sturm, mitten in der Angst, mitten in der Bedrohung.
Es ist eine der wunderbaren Erfahrungen in unserem Leben, dass wir heute noch so etwas erleben dürfen:
Jesu Wort gibt in schweren Zeiten Halt und Hoffnung, Christen vertrauen auf Gott und sind geborgen - selbst im Sturm ihres Lebens. Denn Gott geht mit und lässt uns nicht im Stich. Und wir dürfen - genau wie die Jünger Jesus wachrüttelten - Gott in den Ohren liegen und ihn bitten. Es ist ein Geschenk Gottes, wenn mitten im Sturm das eigene Herz ruhig wird und sich die verkrampften Hände langsam lösen können - im Vertrauen, dass unser Herr Jesus Christus stark genug ist, um uns zu halten.
Die Jünger waren nach dem Sturm von Jesu Macht überwältigt. Es ist auch heute noch so, dass wir überwältigt sind von dem, was Gott in seiner Liebe und Kraft für uns tut. In unseren Gemeinden Balhorn und Altenstädt haben schon viele Generationen diese Liebe und Kraft Gottes erlebt.
Ich wünsche uns allen, dass wir im Sturm nicht verzweifeln, weil wir den bei uns haben, der Himmel und Erde gemacht hat und die Kraft hat, uns auf seinen Armen in die Ewigkeit zu tragen.
So schnell. Gerade hatte er die Welt geschaffen. Aber schon war alles kaputt. Die Menschen misstrauten seiner Anordnung. Warum nicht auch noch die verbotene Frucht im Garten essen? Gott zieht die Menschen zur Verantwortung. Es gibt kein Bleiben mehr im Garten Eden. Der Tod und die Mühe kommen. Streit und Neid besetzen einfach das Herz der Menschen. Gott wird vergessen. Ordnungen und Gebo-te gelten für die anderen - nicht für mich.
Und so kommt die Katastrophe: Kain erschlägt Abel. Die Menschen verlieren ihre Orientierung und zerstören das Leben, das Gott gehört.
Gott ist müde geworden. Er schaut auf die vielen Menschen. "Ob es noch einen gibt, der an mich denkt, der zu mir betet? Ob es noch einen gibt, der es wert ist, gerettet zu werden?"
Gott muss seine Augen wirklich anstrengen. Aber halt. Was ist da? Noah und seine Familie. Sie dürfen über-leben mit den Tieren - in der Arche.
Das Wasser steigt. Die Menschen verlieren ihr Leben. Jetzt ist es zu spät - vorher war Zeit. Das Gericht Gottes kommt in Gestalt von Regen. Tag um Tag, Nacht um Nacht fällt der Regen. Es ist so, als ob Gott in seinem heiligen Zorn weint. Alles wird weggerissen von den Wassermassen: Gottes schöne Schöpfung und der Mensch - die Krone der Schöpfung -.
Aber Zorn und Wasser sind nicht das Ende. Noah lebt. Und er wartet ungeduldig auf einen neuen Anfang. Die Taube muss hinaus. Sie soll herausfinden, ob schon irgendwo Land ist. Und sie bringt dann doch ein Ölblatt zur Arche. Das ganze Schiff - Tiere und Menschen - schöpfen neue Hoffnung. Neues Leben in Gottes Welt.
Und so ist die Taube mit dem Ölblatt ein Symbol für den Frieden und für den Heiligen Geist geworden. Neues Leben in Gottes Welt. Das bringt Gottes Geist. Neues Leben, wo ein Mensch ohne Hoffnung ist - weil Gottes Geist Hoffnung und Vertrauen schenkt.
Neues Leben, weil Gottes Geist unter uns ist und wirkt. Gottes Geist, das ist Gott selbst mit seiner Kraft und seiner Gegenwart - hier und heute. Wo wir die Bibel lesen, die Predigt hören, singen und Gebete sprechen oder stammeln, da ist Gott selbst gegenwärtig.
Gott lässt uns nicht als Waisen zurück in einer Welt, in der es immer noch das Böse gibt - auch in unserem Herzen.
Gott wird nicht müde, neues Leben zu schaffen - durch seinen Geist. Und das ist auch erfahrbar. Nicht irgendwo, sondern dort, wo Gott seine Gegenwart zugesagt hat: in seinem Wort, im Empfang des Heiligen Abendmahls, in der Gemeinschaft der Christen.
Die Taube ist das Symbol für den Frieden. Ja - aber der Friede beginnt in der Bibel mit Gott. Er hat das Wasser wieder sinken lassen. Er hat der Taube den Ölzweig geschenkt. Er hat uns den Regenbogen gegeben. Er wurde Mensch und starb für uns am Kreuz.
Christlicher Einsatz für den politischen Frieden hat für mich diese Innenseite: Gott schenkt mir, dem friedlosen Menschen, seinen Frieden. Er gibt mir Seinen Geist.
Das kommende Jahr der Bibel hat uns im Redaktionskreis auf die Idee gebracht, unsere Titelbilder für das Jahr 2003 dem Thema "Gottes Geist - Gottes Wort"zu widmen.
Das erste Titelblatt unseres Gemeindebriefes zu diesem Thema habe ich auf einer Seite im Internet gefunden.
Es ging darum, dass auch verurteilten und inhaftierten Menschen Gottes Wort verkündigt wird.
Die evangelische Kirche hat sich seit Luther immer als eine Kirche der Predigt und des Wortes verstanden (natürlich mit der Feier des Heiligen Abendmahls).
Luther kam es vor allem auf das gepredigte und gehörte Wort Gottes an. Denn nur wo Gottes Wort weitergesagt wird, können Menschen Gott vertrauen lernen. Nur wo Gottes Wort gesagt und gehört wird, kann es dazu kommen, dass Menschen umdenken und umkehren.
Wenn heute einer sagt "predige mir nicht die Ohren voll", dann ist das negativ gemeint. Das Wort "Predigt" weckt in vielen Menschen heute Erinnerungen an viel zu lange und lebensferne Predigten in alten Kirchen. Das mag auch heute noch vorkommen - ist aber deutlich weniger geworden (auch wenn sich das Gerücht von den alten verstaubten Predigten lange hält).
Die Graphik zeigt, was Predigt eigentlich will: Sie will wie ein Schmetterling sein und uns zeigen, dass es auch noch etwas anderes gibt als Gefängnisse. Sicher - wir sind nicht gefragt worden, ob wir leben wollen. Sicher - niemand konnte sich seine Eltern und seinen Lebensweg frei auswählen. Sicher - manches ist nicht mehr rückgängig zu machen.
Aber die Kirche sagt ein Wort, dass uns daran erinnert: Wir sind nicht als Gefangene von Gott gewollt. Die Bibel erzählt davon, wie Gott immer wieder versucht, Menschen aus Gefangenschaft zu befreien. Aus Schuld und Eigensucht. Aus Angst und Tod.
Die Predigt erzählt, wie Gott Schuld vergibt. Sie erzählt davon, dass Gott Mensch wird.
Der Schmetterling zeigt es an: Die Gitter können ihn nicht halten - er fliegt hin und her zwischen Gefängnismauern und dem freien Himmel und erzählt von einem anderen Leben - dem Leben in der Freiheit.
So erzählt das Wort Gottes uns "Gefangenen" von einem Leben im Frieden mit Gott und dem Mitmenschen. Es erzählt von einem Leben, dass mit dem Tod nicht zu Ende ist. Es erzählt von dem Gott, der selbst Mensch wurde, um uns aus unseren "Gefängnis" der Sünde zu befreien.
Manchmal spüren wir gar nicht mehr unsere Gefangenschaft - aber dann kann es dieses Bild mit dem Schmetterling sein, das mich daran erinnert: "Ach ja, ich bin nicht für diese Mauern geschaffen.... ich werde leben - ich vertraue meinem Gott, dass er schon jetzt etwas verändern kann. Wo Gott spricht und ich höre, da bleibt nicht alles beim Alten. Da wächst Vertrauen und Liebe.
Unser Symbol und Motiv für dieses Jahr ist der Baum. Er steht für Kraft und Stärke. Da hat jemand ein ungebrochenes Durchhaltevermögen und "steht wie ein Baum". Aber wir haben einen Sommer erlebt, der wieder neu zur Erkenntnis zwingt: Nichts bleibt wie es war. Der Baum zerbricht, wenn der Wind zu stark wird, wenn ein Fluss zu einem Strom wird und alles mitreißt oder wenn sich das Feuer durch die Wälder frisst. Der Baum ist stark. Die Natur hat Kraft. Der Fluss hat Selbstheilungskräfte - so wie wir Menschen auch. Aber irgendwann ist der Widerstand ohne Chance. Viele Naturkatastrophen in der letzten Zeit haben mehrere Ursachen. Aber sie stellen auch Fragen an uns: Welche Hypotheken geben wir an unsere Kinder weiter?
Die Natur zerbricht unter unseren Händen. Sicher - wir können diese Welt nicht aus eigener Kraft "retten". Aber mit ihr umgehen wie mit einer kostbaren Perle und sie versuchen, zu bewahren - das bleibt unsere christliche Aufgabe.
Wir gehen in den Herbst hinein. Die Grafik zeigt uns die Vergänglichkeit der Natur. Sie zeigt uns, dass nach der Blüte auch das Sterben auf uns zukommt.
Schwere Zeiten sind manchem von uns in diesem Jahr nicht erspart geblieben. Da bleibt man nicht einfach stehen "wie ein Baum". Da sind wir dann doch betroffen und auch voller Sorge.
Und dennoch ist der Baum auch ein Symbol der Hoffnung. Die Bibel sagt, dass der Mensch, der sich auf Gott verlässt, zu vergleichen ist mit einem Baum, der an Wasserquellen steht. Unser Glaube bewahrt nicht vor dem Schweren, aber gibt uns Hoffnung und eine Perspektive in allem Schweren. Darum ist für uns der Herbst und der Winter nicht das letzte Wort, sondern - im Bild gesprochen - die neue Blüte der Hoffnung auf Ewigkeit in der Gemeinschaft mit Gott.
In der Wochenzeitung "Die Zeit" wurde in einem Artikel über die Problematik der Abtreibung von ungeborenen Kindern berichtet. Es wurde darauf hingewiesen, dass viele Eltern heute vorgeburtliche Untersuchungen machen lassen, um sicher zu gehen, dass das Kind nicht behindert ist. Zeigt eine Untersuchung, dass das Kind vermutlich behindert sein wird, wird es in Deutschland fast immer abgetrieben.
Dazu ein Leserbrief aus "Die Zeit" (Nr.34 vom 16.8.2001, Seite 14)
Vorweg: Ich kann gut verstehen, warum für viele Eltern Früherkennung in der Schwangerschaft so wichtig ist. Wer möchte schon, dass sein Kind mit einer Behinderung geboren wird?
Vor drei Jahren kam meine Tochter Karolina auf die Welt - Karolina hat das Down-Syndrom. Schwerer Herzfehler, OP mit vier Monaten, Infekte, Muskel-Hypotonie, geistige Behinderung - mit diesen Problemen mussten wir zunächst lernen umzugehen.
Konfrontiert wurden wir auch mit den Reaktionen der Umwelt. Häufige Frage von Bekannten und Freunden: Konntet ihr das nicht verhindern? Ehrlich, ich weiß nicht, wie wir entschieden hätten, wäre uns der Befund vor der Geburt bekannt gewesen. Mit meinem heutigen Wissen würde ich mich klar gegen eine Abtreibung eines Kindes mit Trisomie 21 aussprechen.
Karolina, ein dreijähriges, glückliches Mädchen mit Down-Syndrom, meine Tochter: lieb, laut, lustig. Ihr kleines Leben ist nicht die Hölle - auch wenn es unwissende Zeitgenossen nicht glauben mögen.
Die Hölle ist, wenn Ärzte in den Kliniken nicht in der Lage sind, geschockte Eltern eines neugeborenen behinderten Babys einfühlsam aufzuklären. Die Hölle ist, wenn die Menschen auf der Straße nur glotzen, sich nicht trauen zu fragen. Unwissenheit, Ignoranz und Intoleranz sind es, die ein Leben mit Behinderung zur Hölle machen können.
Ulf Rasch, München
Soweit der Leserbrief.
In diesem Brief wird nichts von Gott gesagt. Kein Wort über den Glauben, der seine Hoffnung von Gott empfängt. Kein Wort von der Zuversicht, in der schweren Notlage auch die nötige Kraft zu bekommen. Und doch haben sich diese Eltern in ihr "Schicksal gefügt" - und leben mit ihrer Karolina froh. Diese Eltern haben durch das eigene Erleben einen ganz neuen Blick geschenkt bekommen.
Ein behindertes Kind ist nicht einfach ein "Schicksal", sondern eine bestimmt nicht immer leichte - aber eine große und sinnvolle Aufgabe.
Und wir? Wie geht es jungen christlichen Familien in unseren Gemeinden? Wird in der Familienplanung und in der Schwangerschaft selbstverständlich davon ausgegangen, dass behinderte Kinder keinen Lebenswert haben? Das sind wichtige Fragen - für junge Paare ist es eine große Hilfe, sich vor einer Schwangerschaft oder zu Beginn der Schwangerschaft mit diesen Fragen auseinandersetzen.
Christen gehen nicht allein durch ihr Leben. Es waltet kein blindes Schicksal über uns. Gott kennt uns und hat uns in sein Herz geschlossen - wir sind ihm nicht egal. Wir dürfen damit rechnen, dass Gott sich um uns sorgt - gerade dann, wenn er Schweres schickt.
Die Schulen im Themba-Zentrum haben vom südafrikanischen Staat die Möglichkeit bekommen, vom Staat unabhängige konfessionelle Schulen zu werden. Der Staat wird dann die Lehrergehälter den Lehrern nicht mehr direkt zahlen, sondern als Zuschuß über das Thembawerk.
Da dies zu Engpässen führen kann, benötigt das Themba-Zentrum unsere finanzielle Unterstützung mehr denn je.
Es werden deshalb zwei Modelle vorgeschlagen, wie wir dieses Projekt, das aus unserer Missionsarbeit hervorgegangen ist, sinnvoll unterstützen können.
1. Ein Gemeindekreis übernimmt eine Patenschaft.
(Seniorenkreis, Junge Gemeinde, Bibelkreis....)
Bei den Treffen geht eine Spendendose herum, um die nötigen monatlichen 50,-DM aufzubringen, was in der Regel kein Problem sein dürfte.
Die Patenkreise werden regelmäßig durch Rundschreiben über das Leben in den von Ihnen geförderten Projekten informiert. Der Kontaktpfarrer des Themba-Zentrums in unserer Kirche, Uwe Fischer, rät zu sog. anonymen Patenschaften, d.h. nicht ein spezieller junger Mensch, sondern ein Platz in der Schule wird gefördert. Dadurch wird der Verwaltungsaufwand stark verringert (natürlich sind auch weiterhin persönliche Patenschaften möglich - wenn Sie das möchten).
2. Eine ganze Gemeinde übernimmt Patenschaften
Es wird ein Konto für eine Thembaschule eingerichtet, auf das Gemeindeglieder regelmäßig einen beliebigen Betrag einzahlen können.
Mit diesen beiden Konzepten kann es gelingen, dass das Themba-Zentrum auch weiterhin unser Projekt bleibt und wir dazu beitragen, dass diese segensreiche Arbeit weitergeht.
Weiteren Fragen können bei mir im Pfarramt gestellt werden oder schreiben sie mir eine
email
Vorsitzender des Themba-Fördervereins ist A. Rappen, Tel. 0208-50954
Der Themba-Förderverein ist als gemeinnützig eingetragen beim Registergericht Stuttgart.
Kontoverbindung: Themba-Förderverein e.V., Landesbank Baden Würtemberg, Stuttgart
BLZ: 60050101 Kontonr.: 1361669
"Man fragt sich ja manchmal, wofür man lebt, was der Sinn des Lebens ist. Worin sehen Sie vor allem den Sinn des Lebens?" Diese Frage stellt das Institut für Demoskopie in Allensbach seit 1974 regelmäßig einer repräsentativen Auswahl erwachsener Bürger und Bürgerinnen. Ein Vergleich der Daten zeigt dabei ein deutliches Bild:
Im Laufe der Zeit ist uns das "persönliche Glück" immer wichtiger geworden. Sahen im Jahr 1974 erst 49 Prozent der Westdeutschen ihren Lebenssinn darin "glücklich zu sein" und "möglichst viel Freude zu haben", so bekennen sich im Jahr 2001 schon 64 Prozent dazu. In Ostdeutschland ist die Zahl im Laufe der letzten zehn Jahre von 60 auf 68 Prozent gestiegen.
Dass Lebensgenuss Lebenssinn ergibt, glaubten 1974 erst 26 Prozent der Westdeutschen, inzwischen äußern sich 52 Prozent in dieser Weise (Auch im Osten ist die Zahl derer, die ihren Lebenssinn im Lebensgenuss suchen , seit 1992 von 34 auf 45 Prozent gestiegen.)
Soziale und altruistische Motive wie "Mithelfen, eine bessere Gesellschaft zu schaffen" oder "Das tun, was Gott von mir erwartet" haben deutlich an Attraktivität verloren. Gleichzeitig aber ist der Wunsch gestiegen, von anderen geachtet zu werden und beliebt zu sein. Sahen 1974 erst 36 Prozent der Westdeutschen darin ihren Lebenssinn, so stieg die Zahl inzwischen auf 47 Prozent.
Kleiner Hoffnungsschimmer in den Daten der Allensbachumfrage: Von den Befragten unter 30 Jahren meinten 1992 nur 13 Prozent: "Ganz für andere da sein, darin sehe ich vor allem den Sinn meines Lebens." 1997 sagten dies 16 Prozent, in der jüngsten Umfrage vom Januar 2001 sogar 22 Prozent.