Christlicher Glaube und christliches Leben, sie waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und schon vorher in Balhorn wie vielerorts nur im Verborgenen und nur bei einem Teil der Gemeindeglieder zu finden, denn in der Kirche und unter der Geistlichkeit herrschten zu jener Zeit weithin Vernunftglaube und geistige Trägheit. In Balhorn trugen zu dieser Entwicklung drei nacheinander von 1780 bis 1852 amtierende Pfarrer wesentlich bei. So kam es, dass 1852 der Balhorner Bürgermeister eine Bittschrift mit 19 Unterschriften aus Balhorn und dreien aus Altenstädt an das Konsistorium (Kirchenleitung) richtete, in der zunächst "die traurige Lage", in der sich das Kirchspiel seit Jahrzehnten befand, ausführlich geschildert wurde. Es wurde dann der Erwartung Ausdruck gegeben, dass "der Herr uns durch Hochehrwürdiges Consistorium einen Hirten senden wird, welcher uns die reine Lehre unserer Kirche predigt".
Am 3. Okt. 1852 trat Pfr. Schmidtmann sein Amt an und hatte bald Liebe und Wertschätzung erworben, starb aber 47jährig schon am 11. Febr. 1853. So kam dann der Mann nach Balhorn, der das geistliche Leben und die kirchliche Entwicklung des Ortes entscheidend und nachhaltig beeinflusst hat: Ludwig Saul, von 1853 bis zu seinem Tode 1877 Pfarrer in Balhorn. Er bemühte sich zunächst vor allem, diejenigen Gemeindeglieder wieder zum Glauben zu bringen, die sich in der langen Zeit der Lauheit und Gleichgültigkeit von Gottes Wort und christlichem Leben entfernt hatten. Er konnte dann zwei Jahrzehnte lang segensreich wirken und Balhorn wieder zu einer lebendigen christlichen Gemeinde werden lassen.
Er predigte, lehrte und verwaltete die Sakramente nach Gottes Wort und Luthers Lehre, welche in der kurhessischen Kirche Glaubensgrundlage waren, was auch in der zu Pfarrer Sauls Zeit noch gültigen Kirchenordnung von 1657 festgeschrieben war. Zur Bekräftigung dessen verfassten 96 kurhessische Pfarrer, darunter Pfr. Saul, Ende 1867 eine "Deklaration über den Bekenntnisstand der niederhessischen Kirche".
Kurhessen wurde bekanntermaßen 1866 von Preußen annektiert. Von preußischer Seite wurde dann im kirchlichen Bereich auf Einführung der preußischen Union in Hessen gedrängt, jener seit 1817 in Preußen bestehenden, vom damaligen König angeordneten Vereinigung von lutherischer und reformierter Kirche, in der beide Bekenntnisse nebeneinander gelten. Der Widerstand war heftig, und es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wollte man hier alles anführen, was in den Jahren bis 1873 an Anordnungen, Erlassen, Protesten, Eingaben u.ä. auf den Weg gebracht wurde. Schließlich setzte sich doch die "Obrigkeit" durch. Am 24. April 1873 erschien ein "Allerhöchster Erlaß", der besagte, dass am 28. Juli "das Königliche Consistorium für den Regierungsbezirk Cassel dahier in Wirksamkeit tritt". Noch vor dem 28. Juli wurde von 43 niederhessischen Pfarrern, darunter Pfr. Saul, bei König, Kultusminister und (altem) Konsistorium protestiert. Sie würden sich gezwungen sehen, schrieben sie, dem Gesamtkonsistorium "die Anerkennung und Unterstellung zu versagen". Ähnlich lautende Eingaben kamen aber auch von Gemeindegliedern, u.a. eine von Balhorn mit 138 Unterschriften.
Die protestierenden Pfarrer wurden nach und nach bis Ende Februar 1874 ihrer Ämter enthoben, Pfr. Saul am 26. Januar 1874. Ein Vikar wurde als Pfarrverweser nach Balhorn gebracht und hielt am 8. Februar seinen ersten Gottesdienst in der Balhorner Kirche. Am gleichen Tag hielt Pfr. Saul im Pfarrhaus den ersten Gottesdienst für "die Renitenten". Die Gottesdienste durften dann aber nicht mehr im Pfarrhaus gehalten werden und fanden mehrere Monate lang in einem Bauernhaus statt. Pfr. Saul wurde dann am 2. Mai 1874 endgültig abgesetzt und musste das Pfarrhaus verlassen. Er fand mit seiner Familie Aufnahme im Haus eines ledigen Landwirts, das dann für 100 Jahre zum Pfarrhaus der Gemeinde werden sollte. Für die Gottesdienste wurde im Sommer 1874 am Standort der heutigen Kirche eine "Notkirche" in Lehmfachwerk-Bauweise errichtet.
Pfr. Saul erkannte, wie alle gleich ihm des Amtes enthobenen Pfarrer, seine Absetzung wegen "Unzuständigkeit der Behörde" nicht an. Er sah sich an sein Ordinationsgelübde gebunden und weiterhin zur Amtsausübung verpflichtet. Er wurde deshalb immer wieder vor Gericht zitiert und zu Geldstrafen verurteilt sowie mit Gefängnis bedroht. Er starb 1877. Die gegen ihn und seine Nachfolger und auch gegen Gemeindeglieder verhängten Sanktionen wurden mit der Zeit geringer, völlige Freiheit in der Religionsausübung gab es aber erst nach dem Ende der Monarchie 1918.
Die "Renitente Kirche ungeänderter Augsburgischer Konfession", wie sie sich später nannte und damit ihre bekenntnismäßige Stellung dokumentierte, pflegte schon bald Kirchengemeinschaft mit anderen lutherischen Freikirchen in Deutschland und vollzog 1950 den Anschluss an die "Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche", die 1947 aus der Vereinigung mehrerer Kirchen entstanden war. 1972 kam es dann unter dem gleichen Namen zum Zusammenschluss aller lutherischen Freikirchen in der damaligen Bundesrepublik. Nach 1990 kamen dann die freikirchlichen Lutheraner in der ehemaligen DDR z.T. hinzu.
Die Heidenmission war seit Pfr. Sauls Zeiten den Balhornern ein wichtiges Anliegen. Sie wollten dann auch gern ein Missionsfest haben. So fand 1858 in Balhorn das erste Missionsfest "auf dem Pfarrgarten" statt, wo heute die Häuser Fritzlarer Str. 31-37 stehen. Diesem ersten Fest sollten noch viele folgen. War es zunächst die Hermannsburger Mission, mit der man zusammenarbeitete, so war es später und ist es noch heute die 1892 in Bleckmar (Kreis Celle) gegründete und dort noch ansässige, früher unter anderem Namen bekannte, "Lutherische Kirchenmission". Das Missionsfeld ist traditionell das südliche Afrika, wo lutherische Missionare dienen. Missionsfeste, wo "auf Heimaturlaub" befindliche Missionare predigen und von ihrer Arbeit berichten, fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl von Heimatkirche und Missionsgemeinden. Etwas Besonderes war es, als 1957 auf einem Missionsfest in Sand erstmalig ein Schwarzafrikaner aus Südafrika zur Festgemeinde sprach, was seitdem noch einige Male geschah.
Neben der Heidenmission sollte die Judenmission für Balhorn noch eine besondere Bedeutung erlangen. Durch verschiedene Umstände kam es zu dieser Entwicklung. Die schon erwähnte Liebe der Balhorner zur (Heiden-)Mission weckte den Wunsch nach einer eigenen Missionsanstalt in Balhorn. Es gab auch schon drei junge Männer (nicht aus Balhorn), die sich hier gern zum Missionar ausbilden lassen wollten und auch, neben Pfr. Saul, Pfarrer und Lehrer aus der Umgebung, die den Unterricht nebenamtlich übernehmen wollten. Es regte sich aber mancherlei Widerstand, hauptsächlich von außen. Ein Argument gegen eine eigene Ausbildungsstätte war der Zweifel an der Notwendigkeit wegen ausreichend vorhandener anderer Anstalten (Hermannsburg, Leipzig u.a.).
So keimte denn der Gedanke an eine Missionsarbeit unter den Juden, zumal Pfr. Saul schon vor seiner Balhorner Zeit Mitglied im "Evangelischen Verein von Freunden Israels in Kurhessen" war. Der Gedanke wurde schon bald in die Tat umgesetzt. Zwei junge Männer, davon einer, der sich schon für die Heidenmission ausbilden lassen wollte (s.o.), der andere ein Heinrich Bernhardt aus Balhorn, wurden hier ab 1861 für die Judenmission zugerüstet. Sie waren bereits 27 bzw. 25 Jahre alt und hatten natürlich schon andere Berufe ausgeübt. Sie sollten die einzigen bleiben, die in Balhorn zu missionarischem Dienst vorbereitet wurden. Die Ereignisse nach 1866 brachten es mit sich, dass an eine Missionarsausbildung nicht mehr gedacht werden konnte. Die Judenmission wurde aber in Balhorn nicht vergessen und fand später besondere Förderung und Unterstützung durch das Engagement der Pfarrer Siebert und Rathje.
Zum Entstehen eines Posaunenchores kam es, nachdem Pfr. Saul 1862 in Ebsdorf vom dortigen, am Missionsfest mitwirkenden Posaunenchor sehr angetan war und ihn zum nächsten Missionsfest nach Balhorn einlud. Dieser Dienst des Ebsdorfer Chores in Balhorn 1863 verstärkte den Wunsch nach einem eigenen Posaunenchor, der dann im Winter 63/64 gegründet wurde, sich im Herbst ´64 der Gemeinde vorstellte und die Weihnachtsgottesdienste ´64 mitgestalten konnte. 1874 gingen dann sämtliche Bläser mit in die Renitenz, mussten aber zunächst wegen mancherlei Widrigkeiten ihren Dienst einstellen, den sie erst 1889 mit zum großen Teil neuen Bläsern wieder aufnahmen. Seitdem besteht der Posaunenchor ununterbrochen, nur in den beiden Weltkriegen war er wegen des Kriegsdienstes der jungen Männer nicht einsatzfähig. Chorgesang gibt es in der Gemeinde seit 1912, dem Gründungsjahr des heute noch bestehenden Kirchenchores. Neben diesem gemischten Chor bestand von 1927-1960 ein Männerchor.
Die Übungsstunden des Kirchenchores fanden in der Kirche, die der anderen Chöre hauptsächlich in den Häusern der Mitglieder statt. Ein erster ständiger Übungsraum für alle Chöre, ein "Zimmer mit Übergröße", entstand 1949 im Zuge der Renovierung des alten Pfarrhauses. Dieses "Gemeindezimmer" wurde dann auch von Frauenkreis und Jugendkreis sowie für Konfirmanden- und Kinderunterricht genutzt. Ab 1957 stand dann wesentlich mehr Raum zur Verfügung, denn nach Abriss der Scheune am Pfarrhaus war an diesem ein Anbau mit Saal und Garagen errichtet worden. Nun waren mancherlei Zusammenkünfte möglich, auch viele übergemeindliche Treffen wie Konvente, Synoden, Freizeiten u.a. fanden in Balhorn statt. Dieser Saal wurde bis 1984 genutzt, dem Jahr der Ingebrauchnahme des neuen Gemeindehauses auf dem durch Erwerb mehrerer Nachbargrundstücke beträchtlich vergrößerten Kirchgelände, auf dem schon das 1974 bezogene Pfarrhaus errichtet worden war.
Erwähnt seien hier auch die kirchenmusikalischen Veranstaltungen verschiedenster Art, die in der 1921 erbauten Kirche stattfanden. Ausführende waren meistens die Balhorner Chöre, allein oder gemeinsam mit Chören benachbarter oder auch anderer SELK-Gemeinden. Etwas Besonderes waren die Konzerte ausländischer Gruppen. So kam der A-Capella-Chor aus Seward (Nebraska, USA) erstmalig 1985 und dann noch einige Male jeweils im Rahmen einer Deutschland-Tournee nach Balhorn, und ein russisches Vokalensemble brachte mehrmals in den vergangenen Jahren Gesänge aus russischen Kirchen und Klöstern zu Gehör.
War in den ersten Jahrzehnten nach 1874 das Zusammenleben im Dorf mehr oder weniger beeinträchtigt, so kam es später doch immer mehr zu einem friedlichen Miteinander. Die beiden Kirchengemeinden und ihre Pfarrer haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder zu verschiedenen Anlässen gemeinsame Gottesdienste gefeiert und zusammen sonstige Feiern mitgestaltet. Genannt seien hier nur der Waldgottesdienst zu Himmelfahrt und die Feierstunde zum Volkstrauertag.
Trotz aller Gemeinsamkeiten: Die Unterschiede in Lehre und Bekenntnis, die 1873/74 zur Spaltung führten, bestehen unverändert und stehen einer Vereinigung im Wege. So gilt die Devise: Gemeinsam wo möglich, getrennt wo nötig.
| Ludwig Saul | 1853 - 1877 |
| Christian Wilhelm Frick | 1877 - 1886 |
| Ernst Grau | 1886 - 1910 |
| Karl Baumann | 1910 - 1911 |
| Konrad Siebert | 1912 - 1946 |
| Friedrich Seefeldt | 1948 - 1950 |
| Friedrich Rathje | 1950 - 1985 |
| Johannes Schröter | 1985 - 1992 |
| Manfred Holst | 1994 - 2009 |
| Holger Degen (Vakanzvertreter) | ab 2009 |
Gemeindesaal mit ca. 585 m² Gesamtnutzfläche auf 2
Etagen.
Der 150 m² große Saal wird überwiegend von den Chören als Probenraum, für
zahlreiche Gemeindeveranstaltungen, für regionale/überregionale
Veranstaltungen innerhalb der SELK, für Basare und für private Festlichkeiten
(silberne-, goldene-, diamantene.... Hochzeiten, Konfirmationen, Geburtstage
etc.) genutzt. Etwa 100 Personen finden darin bequem Platz.
Weitere 13 Nebenräume (incl. 4 Toiletten und 3 Lagerräume) werden
regelmäßig von den einzelnen Gemeindegruppen genutzt. Dazu gehören
natürlich auch ein Jugendraum mit einer kleinen Teeküche und der
Büchertisch im Foyer.
Die große Küche ist ausgestattet mit Elektroherden, Kühlschränken,
einem Gewerbegeschirrspüler (ruckzuck ist alles sauber !!) und Geschirr,
Bestecken, Gläsern etc. für etwa 100 Personen.
Reservierungswünsche und Anfragen richten sie bitte an den
Kirchenvorstand.
Bilder vom Erntedankfest am 5. Oktober 2008
Zum 25-jährigen Kirchweihjubiläum am 17.08. hatte uns die Gemeinde in Allendorf (Ulm) eingeladen und so fuhr ein ganzer Bus voll gut gelaunter Balhorner (und einige Gemeindeglieder im PKW) in Richtung Süden. Kaum jemand wusste so richtig, wo das liegt - ein Grund mehr, mal dorthin zu fahren. Nach zwei Stunden gemütlicher Fahrt sahen wir dann, in Allendorf angekommen, die Kirche auf dem Berg. Von Familie Constien wurden wir herzlich begrüßt und auch die Gemeinde war schon anwesend und zeigte sich gastfreundlich. Zum Gottesdienst versammelten wir uns dann in der sehr schönen Kirche. Pfarrvikar Constien predigte über 1. Mose 28, ein Text, der auch bei der Einweihung der Dresdener Frauenkirche im Jahre 1783 Predigttext war: Jakob schaut die Himmelsleiter und empfängt Gottes Verheißung und nennt die Stätte "Bethel" (Haus Gottes). Das danach gesungene Lied Valentin Löschers kam wohl allen aus dem Herzen: "Wie heilig ist die Stätte hier, wo ich voll Andacht stehe!"
Am Mittag verwöhnte uns die Gemeinde mit einem köstlichen Essen, so dass wir uns gestärkt zu einem Rundgang durch den Ort aufmachen konnten, informiert von Herrn Schäfer über die Besonderheiten des Dorfes.
Lob und Dank zu Gott erklangen noch ein Mal bei der "Geistlichen Musik zur Kirchweih". Mit Chor, Flöte und Orgel konnten wir in das herrliche Gotteslob einstimmen. Nach dem Kaffeetrinken und gemütlichen Beisammensein traten wir müde, froh und dankbar für den schönen Tag die Heimreise an.
"Von Balhorn über Eisenach nach Leipzig" so lautete die Reiseroute, die unsere Gruppe von 35 Personen am verlängerten Wochenende, 31.8. bis 2.9., zurücklegte.
In der Frühe, um 7.45 Uhr, am Freitagmorgen trafen wir uns zum Reisesegen in unserer Balhorner Kirche. Von dort aus sollte die Fahrt beginnen. Trotz des etwas trüben Wetters war die Stimmung in unserem Bus richtig gut. Klaus Degenhardt und Kurt Raabe, unser Organisationsteam, hatten für alles gesorgt.
Als wir um kurz nach 10.00 Uhr in Eisenach ankamen, erwarteten uns zwei freundliche Stadtführerinnen mit typisch thüringischem Zungenschlag, die uns an die ehrwürdigen Stätten von Eisenach führten und uns deren Bedeutung anschaulich erklärten. Ausgangspunkt für den Rundgang war das Geburtshaus Johann Sebastian Bachs, in dessen neuem Anbau sich heute eine umfassende Ausstellung über den großen Musiker des Barock befindet. Außerdem sahen wir das so genannte Lutherhaus, in dem unser Reformator wohl einen Teil seiner Schulzeit bei Verwandten verbracht hatte. Darüber hinaus standen die Georgenkirche, die Altstadt sowie das kleinste bewohnte Haus Thüringens auf unserem Besichtigungsprogramm. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Restaurant "Alt Eisenach" haben wir den steilen Anstieg zur Wartburg mit großer Leichtigkeit (in unserem Bus) erklommen.
Oben angekommen, konnten wir den wunderschönen Blick über den Thüringer Wald genießen. Einige aus unserer Gruppe besichtigten dort einen Teil der Landesausstellung zum Elisabethjahr, andere gönnten sich - so wie meine Frau und ich - in mittelalterlichem Ambiente eine Tasse Kaffee. Natürlich durfte auch eine Thüringer Bratwurst nicht fehlen.
Gegen Abend trafen wir schließlich in der sächsischen Messestadt Leipzig ein, wo wir unsere Zimmer im Hotel Vivaldi beziehen konnten. Für unser leibliches Wohl wurde dann im Fischrestaurant Stoertebecker gesorgt, in dem wir auch Frau Gevers kennen lernen durften. Die Frau des Leipziger Missionars Hugo Gevers hatte im Vorfeld unseren Aufenthalt detailliert geplant und begleitete uns auch am nächsten Tag durch die Stadt.
Der Samstag begann mit einer außergewöhnlichen Stadtrundfahrt in einer ei-gens für uns angemieteten Straßenbahn. Kenntnisreich und mit netten Anekdoten gespickt wurden uns dabei die wichtigsten Orte aus der Geschichte Leipzigs von einem Stadtführer näher gebracht. Ein Gang über den frisch renovierten und ausgebauten Leipziger Hauptbahnhof bis zum Restaurant "Auerbachs Keller" rundeten den Vormittag ab.
Die zahlreichen Museen, Kirchen und Konzertsäle in der Innenstadt boten im Anschluss viele Möglichkeiten zur Gestaltung des restlichen Tages.
Den Höhepunkt der Fahrt stellte der Besuch unserer Leipziger Schwestergemeinde "St. Trinitatis" am Sonntag dar. Wir feierten gemeinsam mit Pfarrer Markus Fischer und Missionar Hugo Gevers einen festlichen Abendmahlsgottesdienst.
Im Anschluss daran berichtete uns der Missionar über seine Arbeit unter Iranern und anderen persisch sprechenden Flüchtlingen. Beim Mittagessen und den anschließenden Gesprächen hatten wir so auch Gelegenheit diese Menschen besser kennen zu lernen, ihre Kochkünste zu genießen und christliche Gemeinschaft über alle Schranken hinweg zu erleben. Balhorner, Leipziger und Perser waren sich an diesem Tag durch den gemeinsamen Glauben näher gekommen. Abschließend sprach Pfarrer Holst eine Einladung an unsere Schwestern und Brüder in Leipzig aus, uns doch bald einmal in Nord-Hessen zu besuchen.
Mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen durften wir am frühen Abend wohl behüten wieder in Balhorn ankommen.
Für den reibungslosen Ablauf und die tolle Organisation ist besonders Klaus Degenhardt und Kurt Raabe zu danken. Alles in allem war es wirklich eine sehr gelungene Gemeindefahrt nach Leipzig.
Dresden war am verlängerten Fronleichnamwochenende (26. - 29. Mai 2005) das Ziel einer Gruppe von gut vierzig Gemeindegliedern aus den Gemeinden Balhorn und Altenstädt der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Bei strahlendem Sonnenschein begann die Gemeindefahrt am Fronleichnamstag. Auf dem Weg nach Dresden machte die Gemeindegruppe Halt in Leipzig. Dort war Gelegenheit, die Nikolaikirche, einen der Ausgangspunkte der friedlichen Revolution 1989, und die Thomaskirche, in der Johann Sebastian Bach begraben liegt, zu besuchen und die Schönheit der Innenstadt zu bewundern. In Meißen machte die Gruppe einen zweiten Zwischenhalt, um wahlweise die weltbekannte Porzellanmanufaktur zu besuchen oder durch die wunderschöne Meißener Innenstadt zu flanieren, die alten Stadtkirchen zu besuchen oder ein Eis zu essen.
Die nächsten beiden Tage dienten der Erkundung Dresdens und seiner Umgebung. Die schroffen Sandsteinfelsen an der Elbe konnten an der Bastei erklettert und später noch einmal in Ruhe von einem Elbschiff aus betrachtet werden. Auch die Feste Königstein mit ihren hochaufragenden Mauern stellte ein beeindruckendes Reiseziel dar, das zudem - bei anhaltend gutem Wetter - einen weitreichenden Ausblick über das Elbtal bot. Detailreiche Einblicke in die Stadtgeschichte Dresdens wurden der nordhessischen Reisegruppe durch Frau Voigt, einem Gemeindeglied der Dresdener SELK-Gemeinde, bei einer zweistündigen Stadtführung vermittelt. Ziel- und Höhepunkt war die inzwischen vollständig aufgebaute Frauenkirche, die im Oktober 2005 neu geweiht wird und dann auch für Besuchergruppen, vor allem aber für Gottesdienste, Besinnung und Gebet geöffnet sein wird. Einige fassten deswegen den Entschluss: "Dann müssen wir noch einmal wiederkommen!" Der Samstag bot dann noch ausreichend Gelegenheit, die Stadt nach eigenen Wünschen und Vorlieben zu erkunden: Orgelkonzerte, Straßenmusik und Openair-Konzerte, Einkaufsmeilen, Cafés und Restaurants - all dies lud zum Verweilen ein.
Den Abschluss der viertägigen Reise bildete der gemeinsame Gottesdienst mit der Dresdener SELK-Gemeinde in deren St. Petri-Kirche. Diese neugotische Kirche, deren Nutzungsrecht die Gemeinde erst vor wenigen Jahren erworben hat, beeindruckte durch ihre Größe und ihre Akustik, die den Gemeinde- und Chorgesang wunderbar trägt. Bei einem anschließenden reichhaltigen Kirchenkaffee war Gelegenheit für Nordhessen und Sachsen, einander kennen zu lernen.
Die Teilnehmer an der Gemeindefahrt waren sich abschließend einig, dass es sich gelohnt hatte, den langen Weg auf sich zu nehmen. Und auch die ersten Gedanken an eine nächste Gemeindefahrt begannen schon auf der Rückfahrt zu reifen.
Dass die Gemeindefahrt ein so reiches Programm bot und von Unterkunft über Verpflegung bis hin zu den Busfahrten so reibungslos funktionierte, war im Wesentlichen das Verdienst von Kurt Raabe, der die Fahrt mit Unterstützung von Wilhelm Ehlerding sorgfältig vorbereitet hatte und in dessen Händen die Reiseleitung lag.
Zur Zeit der Gründung der Renitenz gehörte die Gemeinde Altenstädt zur Balhorner Gemeinde. Bis 1886 wurde die Gemeinde als eigener Gottesdienstort von Balhorn aus betreut.
Unter Pfarrer Engelbrecht war Altenstädt Pfarrsitz - in Verbindung mit dem Predigtort Gertrudenstift in Grossenritte. Später bildete Altenstädt mit Sand einen Pfarrbezirk, seit 1950 wieder mit Balhorn.
Zunächst traf man sich in Altenstädt auf dem Hof Schnellenpfeil. 1923 erbaute man eine eigene Kirche. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts erhielt die Kirche eine neue Orgel.
Der Kirchenvorstand der Gemeinde Altenstädt arbeitet selbständig. Alle weiteren Kreise finden mit der Gemeinde Balhorn zusammen statt.
| Ludwig Saul | 1853 - 1877 |
| Christian Wilhelm Frick | 1877 - 1886 |
| Ernst Albert Grau | 1886 - 1887 |
| Christoph Heinrich Engelbrecht | 1887 - 1922 |
| Ernst Ephraim Langholf | 1922 - 1928 |
| Karl Adalbert Wicke | 1928 - 1942 |
| Heinrich Christian Wicke | 1943 - 1948 |
| Karl Mädrich | 1948 - 1963 |
| Friedrich Rathje | 1963 - 1985 |
| Johannes Schröter | 1985 - 1992 |
| Manfred Holst | 1994 - 2009 |
| Holger Degen (Vakanzvertreter) | ab 2009 |